Komm wir gehen Babys schaukeln!

Bei der Hitze wird Princesse zur Dampflok, ihr Hecheln ist den ganzen Tag über meine Hintergrundmusik. Da muss man sich etwas einfallen lassen. Ich habe festgestellt, dass es ihr hilft, wenn sie  bei offener Tür im Kellereingang liegt. Von unserem alten Gewölbekeller kommt etwas Kühle herauf, die ihr gut tut. Spaziergänge werden reduziert auf zwei kurze Wege am Tag und dazwischen geht’s nach Bedarf mehrmals in den Garten. Der liegt bergauf und erfordert auch etwas Anstrengung aber Bewegung muss sein.

Princesse hat jetzt einen Bauchumfang von 106 cm! Von oben auf sie hinab geschaut, fällt es gar nicht auf aber im Profil sieht man den dicken Bauch. Sie ist zum Hängebauchschwein mutiert! Und beim gehen meint man, den Bauch im Rhythmus wackeln zu sehen. Deshalb sage ich zu ihr: „Komm, wir gehen Babys schaukeln!“ Das muss toll für die Kleinen sein!

Heute hat die werdende Mama zum ersten Mal in dieser Schwangerschaft gebuddelt. Trotz der Hitze hat sie wie wild unter einem Rhododendron gegraben dass der Dreck nur so flog. Nase und Pfoten waren schmutzverkrustet aber es war so wichtig für sie eine Wurfhöhle zu graben, da konnte ich ihr nicht böse sein. Zudem sie mich mit ihrer Buddelei daran erinnert hat, dass es langsam Zeit wird, die Wurfkiste vom Speicher zu holen. Es sind ja nur noch acht Tage!

 

Princesse hat immer Hunger

Princesse geht es gut bis auf eine Sache: Sie hat immer Hunger! Mehrmals am Tag – auch wenn sie kurz vorher ihr Futter bekommen hat – stellt sie sich vor mich hin und schaut mich  durchdringend an. Dann wandert ihr Blick zum Schrank oder Tisch und wieder zu mir. In ihren Augen steht die Bitte um eine kleine Gabe für einen armen, hungrigen Hund… Sie nimmt alles ohne Ausnahme: Apfel, Banane, Möhre. Nüsse, Zwieback, trockenes Brot usw. obwohl sie schon eine Mahlzeit mehr als sonst bekommt. Ihr Bauchumfang hat mächtig zugelegt. Von 88 cm auf 100 cm in einer Woche. Dabei hat sie noch 19 Tage bis zur Geburt vor sich. Ich bin wirklich gespannt wie viele Babys sie bekommt.

Princesse alleine unterwegs

Wenn ich nicht die Ultraschallbilder von Princesses Babys gesehen hätte, wüsste ich trotzdem, dass sie trächtig ist. Ihr Verhalten zeigt es mir eindeutig:  Am 20. Tag ihrer Schwangerschaft hat sie ihr Futter komplett erbrochen,  am Ende der vierten Woche entdeckte ich den leichten Ausfluss und im Übrigen hat sie immer riesigen Hunger und trinkt auch mehr als sonst. Alles wie beim letzten Mal.

Ihren ständigen Appetit kann ich leider nicht stillen – sie würde innerhalb weniger Tage zu einer dicken Tonne mutieren – aber frisches Wasser bekommt sie natürlich soviel sie mag. Das führt allerdings dazu,  dass sie auch öfter zum Pipimachen raus muss, was tagsüber kein Problem  aber nachts schon etwas lästig ist.

Für meine werdende Mama stehe ich trotzdem jederzeit auf, so auch am Sonntagmorgen um halb fünf. Mal eben in den Garten lassen ist ja eigentlich kein Problem – dachte ich, als ich im Schlafanzug die Tür öffnete und den eisigen Luftzug spürte, –  aber mit hinaus gehen ist  nicht notwendig .  So wartete ich drinnen, um sie gleich wieder rein zu lassen … und wartete und wartete. Bis es mir komisch vor kam. Ich zog mir schnell eine Jacke über, schnappte eine Taschenlampe und trat hinaus in die Dunkelheit. Es war jetzt kurz vor fünf und im Osten war schon ein heller Lichtstreifen zu sehen. Die ersten Vögel hatten mit ihrem Konzert begonnen, alles gut und schön aber ich sehnte mich nach meinem warmen Bett zurück.

Mit verhaltener Lautstärke – ich wollte schließlich nicht die Nachbarn wecken – rief ich nach Princesse. Ich suchte den ganzen Garten ab, leuchtete hinter jedes Gebüsch aber nirgends war auch nur die kleinste schwarze Schwanzspitze zu sehen. Jetzt war klar: Madame war mal wieder abgehauen! Ich begreife bis heute nicht, was sie dazu treibt, sich unter einen Zaun durch zu quetschen, der am Boden eine Lücke von maximal 5 cm aufweist. Und das bei ihrem derzeitigen Bauchumfang von 88 cm.  Allerdings ist es ein Maschendrahtzaun – also bis zu einem gewissen Grad beweglich. Ich habe Princesse einmal dabei beobachtet wie sie erst die Schnauze, dann den ganzen Kopf unter den Draht schob, ihn dann mit ihrem kräftigen Nacken weiter hoch drückte und sich platt wie eine Flunder langsam vor arbeitete bis sie es auf die andere Seite geschafft hatte. Ich traute meinen Augen nicht! Seitdem hat mein Mann den Zaun mit zusätzlichen Holzlatten abgedichtet aber Princesse findet immer wieder eine neue Stelle für ihr Vorhaben.

Diesmal war es die alte Stelle, die bisher noch nicht abgedichtet war. Dann fiel mir ein, dass meine werdende Mama am Vortag noch ganz schrecklich gehumpelt hat wegen einer hässlichen Verletzung an der rechten Vorderpfote.  Trotzdem war sie weg! Mir blieb nichts anderes übrig als in der Nachbarschaft weiter zu suchen. Nun kann man nachts nicht in fremden Gärten mit der Taschenlampe herum leuchten und laut rufen. Das war mir jedenfalls um diese frühe Tageszeit zu peinlich. Ich schritt also nur die Wege um die Nachbarhäuser ab und war froh darüber, dass wir in einer Sackgasse wohnen. Im nahen Wald vermutete ich meine Hündin nicht, denn ich weiß aus Erfahrung, dass sie lieber in fremden Gärten herum streunt – immer auf der Such nach etwas Fressbarem. Im Herbst war sie besonders oft ausgebüxt und lag dann Fallobst mampfend unter den nachbarlichen Apfelbäumen.

Als ich Sonntag früh Nachbars Grundstück betrat, stand ich plötzlich in einem grellen Lichtkegel. Das war einerseits praktisch, – denn nun wusste ich, hier kann mein Hund nicht sein – aber andererseits war es auch peinlich. Was denken die Nachbarn wenn die mich hier in Schlafanzug und dünner Jacke herumstehen sehen, dachte ich und verdrückte mich schnell. Nun war guter Rat teuer. Wo steckt das Biest bloß? Im selben Moment hörte ich den kleinen Terriermix im anderen Nachbarhaus hysterisch kläffen, der mich sonst immer nervt, doch diesmal war ich ihm dankbar, denn es konnte nur eines bedeuten: Irgendwo da im Garten ist meine Ausreißerin. Leider sah ich sie nicht und wollte auch nicht so auffällig mit der Lampe herum fuchteln. Also ging ich erst mal wieder rückwärts, um die Lage aus der Ferne zu betrachten und zu überlegen, was zu tun ist. Das Gekläff wurde lauter, denn der Nachbar hatte die Tür geöffnet. Ich stand verdeckt – wie ich glaubte – hinter einem Busch. Dann ertönte die kräftige Stimme des genervten Nachbarn: “ Frau Pick, Ihr Hund ist hier!“ Erwischt! Ich ging meinen Hund holen, murmelte eine Entschuldigung wegen der frühen Störung und machte, dass ich nach Hause kam.

Meine Hündin, – die ich natürlich nicht bestraft hatte, weil eine werdende Mama einen „Freifahrtschein“ hat -, legte sich zufrieden zum Schlafen auf das Sofa und ich kroch in mein Bett zurück – völlig durchgefroren und hellwach.