Jonny ist umgezogen

„Jonny ist umgezogen, er wohnt jetzt bei seiner neuen Familie“ , mit diesen Worten erklärte unsere Tochter der zweijährigen Mora weshalb Jonny nicht mehr da ist. Damit war für unsere Enkelin alles klar – zumal sie ja dabei war, als der Welpe abgeholt wurde. Ja, so einfach ist das: Jonny ist umgezogen – es geht ihm gut bei seiner neuen Familie und bei uns ist es nun wieder etwas ruhiger geworden.

Auch Elli hat sich inzwischen wieder beruhigt. Am Abholtag hat sie mich genau beobachtet: wie ich Jonny gebürstet habe, seine Spielsachen in eine Einkaufstüte verstaut und den Sack mit dem Welpenfutter aus dem Keller geholt habe. Sie wich nicht von meiner Seite und da war mir klar, dass sie genau Bescheid wusste, was das alles bedeutet. Schließlich hat sie schon dreimal miterlebt, wie ihre Geschwister bzw. Halbgeschwister abgeholt wurden.

Als dann schließlich das Auto vor dem Haus hielt, war sie regelrecht „aus dem Häuschen“.  Sie freut sich immer, wenn Besuch kommt, aber diesmal war ihr Verhalten anders. Sie sprang immer wieder am Tor hoch und bellte ganz aufgeregt. Es hat mich etwas erschreckt, denn es klang nicht gerade freundlich, sondern eher wie ein Schimpfen. Da sich alle Beteiligten völlig ruhig und entspannt verhielten, wurde sie bald auch wieder „normal“, ließ sich von den Besuchern kraulen und akzeptierte schließlich auch, dass Jonny von der Besitzerin zum Auto gebracht wurde. Dabei durfte sie natürlich dabei sein und auch den Kopf in den Innenraum stecken, wo ihr Kleiner ganz brav auf einem Kissen lag. Das fand sie dann aber in Ordnung. Oma Princesse ließ es sich auch nicht nehmen, ihren Enkel am Auto zu verabschieden.

Die erste Nachricht am Tag nach seiner Abholung war durchweg positiv: Jonny findet alles sehr spannend, erkundet Haus und Garten und freut sich über jeden Menschen, der freundlich zu ihm ist. Der kleine Kerl hat jedenfalls kein Heimweh.

 

 

Fröhlich im Regen

Der letzte Gassigang mit Jonny um 22 Uhr kostete mich etwas Überwindung, weil es kräftig regnete. Dabei sind es nur ein paar Schritte bis auf die kleine Wiese neben unserem Haus. Also los!

Der Regenschirm sprang mit einem leichten Knall auf und ich beobachtete wie Jonny  darauf reagierte – er schaute mich kurz an und kümmerte sich weiter nicht darum. Fröhlich hoppelte er auf der nassen Wiese herum, während ich ihn beschwor: „Jonny, mach dein Häufchen! Sei ein lieber Junge und mach schnell!“ Mein ständig wiederholter Sermon beeindruckte ihn nicht im mindesten, vielmehr lag er bäuchlings im Gras, knabberte hier und dort ein Hälmchen, sprang ein Stückchen weiter, schmiss sich wieder ins Gras usw. Inzwischen tropfte es vom Schirm hinunter und meine Füße in den Hausschuhen wurden nass. Schließlich kam Jonny unverrichteter Dinge aber gut gelaunt zu mir und folgte mir brav zurück in den Wintergarten. Sein „Geschäft“ hat er dann etwas später noch gemacht – drinnen im Trockenen.

Jonny ist bei Geräuschen ausgesprochen nervenstark. Nicht nur der Knall meines Schirmes ließ ihn unbeeindruckt, auch eine vom Küchenschrank fallende Tasse störte ihn nicht. Aber das Stärkste war der Brandmelder in der Küche, der ein derartig schrilles und lautes Geräusch von sich gibt, dass es mir physisch weh tut. Jonny blieb dabei ruhig liegen und beachtete auch die Hektik nicht, die dadurch entstand, dass mein Mann versuchte, den grässlichen Ton auszuschalten, während ich die qualmende Pfanne mit den verbrannten Bratkartoffeln vom Herd nahm. Nach gefühlten 10 Minuten kehrte wieder Ruhe ein und ich stellte fest, dass sich alle vier Hunde nicht von  der Stelle gerührt hatten. Na gut, die Großen kennen das Geräusch des Brandmelders schon, aber für Jonny war es das erste Mal.

Hier die Neuigkeiten: Jonny hat die Prüfung durch den Zuchtwart – die sogenannte Wurfabnahme – mit Bravour bestanden. Herr Peters war sogar sehr begeistert von ihm, denn Jonny ließ sich von Nasen- bis Schwanzspitze abtasten und blieb auch ruhig als sein Gebiss kontrolliert wurde. Resumee: Knochenstärke, Bemuskelung, Winkelung, Pfoten, Schwanz, Zähne und natürlich das Verhalten:  alles bestens!

Jonny brachte beim letzten Wiegen (Freitag 22.30 Uhr) ganze 8.300 Gramm auf die Waage! Und morgen wird er abgeholt. . .

 

 

Neugierig auf die Welt

Jonny ist ein kleiner Wonneproppen – er wiegt inzwischen 7,5 kg. Seine Neugier auf Neues ist inzwischen stärker als die Angst vor dem Unbekannten. Das zeigte sich bei seinem ersten Spaziergang außerhalb des vertrauten Grundstücks.

Als ich das Gartentor öffnete und ihn aufforderte mitzukommen, ging er erst Mal einen Schritt rückwärts. Bisher war ihm der Schritt nach draußen ja stets verwehrt worden und er musste immer hinter den Großen herschauen, wenn sie hinaus gingen. Deshalb konnte er mit meiner Aufforderung erst mal nichts anfangen. Doch als ich ihn weiter mit freundlicher Stimme lockte, fasste er sich ein Herz und stürmte regelrecht durch das offene Tor. Ich hatte ihn natürlich an der Leine, was ihn dann auch ziemlich irritierte, denn er wurde abrupt gestoppt. Was war das? schien er zu fragen, doch ich lockte ihn weiter und das Spiel ging von vorne los: Er rannte, wurde gestoppt, schaute mich verblüfft an, rannte wieder los usw. Es dauerte aber nicht lange, da hatte er kapiert, dass er besser in meiner Nähe bleibt und schon bald ging er ganz passabel an der Leine, das heißt, er achtete mehr auf mich.

Zwar musste ich ihn ein paarmal „entwickeln“, aber das war nun meine Aufgabe.  Als Leinenführer muss man sich natürlich auch auf den kleinen Wusel einstellen, der vor Begeisterung und Neugier mal nach rechts und dann wieder nach links ausschert. Alles kein Problem solange die Leine locker bleibt, denn eines darf nicht passieren: dass man selber oder der Welpe an der Leine zieht. Da gilt nämlich das physikalische Gesetz: „Zug erzeugt Gegenzug“. Und dann macht der Spaziergang keine Freude. Also nicht ziehen sondern locken, so dass der Welpe freudig mitkommt. Und wenn er zieht? Dann bleibt man stehen, beugt sich hinunter (oder geht in die Hocke) und lockt den Welpen zu sich zurück bevor es weiter geht. Klingt einfach, aber natürlich kommt man so nicht weit. Das ist aber vollkommen in Ordnung, denn ein Neufundländerwelpe darf  im ersten Lebensjahr nicht länger als 5 Minuten pro Lebensmonat laufen, also mit zwei Monaten 10 Minuten usw.

Auf diese Art und Weise lernt man, die Umgebung mit völlig anderen Augen zu sehen  – mit den Augen des Welpen.

Geimpft und gechipt

Der Besuch in der Tierarztpraxis war ein aufregendes Erlebnis für Jonny. Schon die 15 Minuten Autofahrt dorthin waren spannend: das Radio konnte aus bleiben, denn der kleine Kerl sang in den höchsten Tönen die tollsten Arien. Und dabei war Mama Elli doch wie immer völlig tiefenentspannt. Wir hatten sie extra mitgenommen, in der Hoffnung dass ihre Gelassenheit sich auf Jonny übertragen würde.

Im Behandlungszimmer lag Jonny ganz still in meinen Armen bis die Ärztin ihn auf dem Tisch untersuchen wollte. Zwar war er dabei äußerlich ganz ruhig, aber er lag dort platt wie eine Flunder und wollte beim Abhören partout nicht stehen bleiben. Die Tierärztin untersuchte ihn von Nase bis Schwanzspitze, schaute sich das Gebiss an, prüfte ob die Hoden abgestiegen waren und war mit allem sehr zufrieden. Den Pieks der Impfung ließ er genauso stoisch über sich ergehen wie das Implatieren des Chip. Dass er trotzdem sehr aufgeregt war, erkannte ich an seiner leicht tropfenden Nase. Am Ende gab es ganz viel Lob, einige Streicheleinheiten und natürlich ein Leckerchen.

Auf der Heimfahrt war sein Gesang schon viel seltener und deutlich leiser. Zu Hause bekam er seine Nachmittagsmahlzeit, die er ratzfatz verschlang, um dann in einen zweistündigen Erschöpfungsschlaf zu fallen.