Trauriger Anruf

Der Anruf kam, als ich gerade dabei war das Abendessen für meine drei Mädels zuzubereiten. Der Name des Anrufers kam mir irgendwie bekannt vor, doch es dauerte ein paar Augenblicke bis mir die Erleuchtung kam. Als er fragte, ob ich mich erinnern könne, antwortete ich spontan: „Amadeus“ und ahnte auch gleich, welchem Umstand ich den Anruf zu verdanken hatte.

Amadeus war ein Welpe aus dem A-Wurf und ein Bruder von unserer Avril. Lange, sehr lange hatte ich nichts von ihm gehört und nun dieser Anruf, das konnte nur bedeuten, dass er gestorben ist. Ja, so ist es auch, bestätigte der Besitzer und erzählte mir die Einzelheiten. Amadeus ist letzte Nacht friedlich eingeschlafen nachdem er in den letzten zwei Wochen recht schwach war. Aber bis dahin war er ein gesunder Hund gewesen, den der Tierarzt nur zum Impfen gesehen hat. Zwölf Jahre und zwei Monate alt ist er geworden, was eigentlich ein gutes Alter für einen Neufundländer ist, aber trotzdem empfindet man es als viel zu früh.

Der A-Wurf ist für einen Züchter etwas ganz Besonderes: Das erste Mal eine Geburt bei der eigenen Hündin zu erleben, die ganze Verantwortung dafür zu tragen, dass es Mutter und Welpen gut geht. Das ist schon ein beeindruckendes Erlebnis. Ich weiß noch, wie ich vor lauter Sorge bei der Geburt etwas falsch zu machen, die Hündin ins Auto gepackt habe und zum Tierarzt gefahren bin. Auf dem Weg dorthin wurde der erste Welpe im Auto geboren. . .

Es ist zum Glück alles gut gegangen, wenn auch leider von den elf Welpen die beiden zum Schluss geborenen tot waren. Die neun lebenden – drei Rüden und sechs Hündinnen – waren aber gesund und munter und machten viel Arbeit aber auch viel Freude. Dann die Abgabe an die neuen Besitzer, und eine sollte bei uns bleiben. Es war die Kleinste – Avril genannt – , die vor zwei Monaten 12 Jahre alt geworden ist, und zwar genau am 1. April. Der A- Wurf war ein Aprilscherz aber ein ganz wunderbarer!

Der heutige Anruf war nicht der erste, denn in den letzten Monaten sind von den Neun bereits vier gestorben – mit Amadeus nun also fünf. Es ist jedes Mal ein trauriger Anlass für mich, aber es gehört leider nun einmal dazu, wenn man Züchter ist.