Das erste Geheimnis ist gelüftet

Seit heute Nachmittag wissen wir es: Elli hat zwei Welpen im Bauch. Ja, wirklich nur zwei. . . Ein bisschen enttäuscht war ich im ersten Moment schon, denn wie man so schön sagt: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, und ich habe so sehr gehofft, dass es doch bitte, bitte drei oder sogar vier Babys sind. Nun musste ich meine Hoffnung begraben und war deshalb traurig.

Aber auf der 70 km langen Heimfahrt hatte ich Zeit genug, mich mit dem Gedanken an die zwei kleinen Bärchen, die da nun heranwachsen, anzufreunden. Und inzwischen freue ich mich auf sie. Immerhin hat es diesmal nach zwei vergeblichen Versuchen endlich geklappt, dass meine wunderbare Elli Mama wird! Ich bin ja so gespannt, ob es ein Rüde und eine Hündin oder zwei Rüden oder zwei Hündinnen sein werden. Und welche Farbe werden sie haben? Noch zehn Tagen dann ist auch dieses Geheimnis gelüftet.

Eine zauberhafte Juninacht

Bei den sommerlichen Temperaturen von 30 Grad und mehr machen Spaziergänge keinen Spaß. Sie sind vielmehr eine Qual. Selbst der Schatten spendende Wald bringt keine Kühlung mehr und in der Sonne ist es geradezu unerträglich. Mir geht es da genauso wie meinen Neufis, alles über 24 Grad ist zu viel. Also werden die Gassigänge nur morgens und abends gemacht und außerdem stark gekürzt. Im Haus ist es noch auszuhalten zumal sich alle drei die kühlsten Plätze aussuchen: auf den Fliesen in der Küche oder im Hausflur. Am liebsten würde ich mich daneben legen. . .

Gestern wurde es draußen erst am späten Abend etwas kühler und als ich um halb elf zu Bett gehen wollte, lagen die Mädels hinterm Haus. Eigentlich wollte ich sie herein holen, hatte dann aber die Idee, noch einmal in den Garten zu gehen und den  Abend so ausklingen zu lassen. Da es schon dunkel war, nahm ich eine Taschenlampe und forderte Avril, Princesse und Elli auf, mit mir zu kommen, aber nur Elli folgte mir den steilen Weg hinauf zur Wiese. Auf dem höchsten Punkt steht eine Bank von der man einen wunderschönen Blick über die kleine Ortschaft Grund hat, die um diese Zeit von Straßenlaternen romantisch beleuchtet wird. Während ich den Ausblick genoss, hörte ich Elli durchs Gras streifen und hier und da etwas davon fressen.

Es war herrlich dort im Dunkeln auf der Bank. Elli saß nun neben mir und wir beide horchten auf die Geräusche der Nacht. Hin und wieder hörte man ein Käuzchen rufen, in der Ferne bellte ein Hund und eine Kirchturmuhr schlug von weither die volle Stunde, es war 11 Uhr nachts. Dann war es ganz still und plötzlich geschah etwas  Wunderbares: Ein Glühwürmchen kam auf uns zugeflogen, dann ein zweites, drittes, viertes. Immer mehr kamen aus den dunklen Büschen und vom Wald her und schwebten lautlos über die Wiese. Elli war scheinbar ebenso von den kleinen Lichtwesen fasziniert wie ich. Ihr Blick folgte ihnen während sie ganz ruhig sitzen blieb. Sie bewegte nur ganz leicht den Kopf hin und her. So saßen wir noch eine Zeitlang und genossen gemeinsam den Zauber der Juninacht.

Elli hat Bärenhunger

Die meisten Neufundländer sind sehr verfressen und da ist Elli auch keine Ausnahme (und ihre Mutter Princesse sowieso nicht), aber seit zwei Tagen ist sie ausgesprochen gierig. Als Avril gestern Morgen ihr Futter stehen ließ und es auch nach dem Gassigang trotz guten Zuredens nicht anrührte, nahm Elli die Gelegenheit zum zweiten Frühstück gerne wahr und verschlang es blitzschnell. Aber satt war sie trotzdem nicht. Jedes Mal wenn ich in der Küche zu tun hatte, war sie plötzlich neben mir und drängte sich dicht an mich, damit ich sie bloß nicht übersehe. Wenn ich ihrem bettelnden Blick nicht standhielt, schnappte sie derart nach dem Leckerbissen, dass ich um meine Finger fürchten musste.

Ganz toll findet findet Elli auch unsere 22 Monate alte Enkelin, die den Hunden gerne etwas Essbares hinhält oder bei den Mahlzeiten herunterfallen lässt. Hier legt Elli sich direkt neben das Hochstühlchen und hat manchmal Glück.

Nun ist Elli ja ins letzte Drittel der Trächtigkeit gekommen und braucht deshalb einige Kalorien mehr als normal, aber ich war bei der Fütterung bisher noch zurückhaltend, ausgehend von der Prognose des Tierarztes, der nur einen – evtl. auch zwei – Welpen gesehen hat. Wenn ich nun zu viele Kalorien in die werdende Mutter hineinstopfe, wird sie selbst zu dick oder das Kleine wird zu schwer. Mittlerweile habe ich aber das Gefühl, Elli weiß am besten was für sie und ihren Nachwuchs gut ist. Und überhaupt – vielleicht sind es ja doch mehr als eins bzw. zwei Babys. . .

Man sieht Elli zwar noch nichts an, was aber bei der ersten Trächtigkeit oft der Fall ist. Ich erinnere mich an Princesse vor fünf Jahren, die eine Woche vor der Geburt noch eine tadellose Figur hatte und dann sechs kräftige Welpen bekam. Bei den weiteren Schwangerschaften war das anders: sie mutierte zum Hängebauchschwein. Die genaue Anzahl der Welpen war übrigens bei Princesse im Ultraschallbild nie zu erkennen. In den Unterlagen vom E-Wurf fand ich folgende Notiz: „Waren heute zum Ultraschall – haben drei Welpen gesehen“ – und am Ende waren es sieben!

Ab sofort gibt es für Elli drei Mahlzeiten und die eine oder andere Kleinigkeit zwischendurch.

Trauriger Anruf

Der Anruf kam, als ich gerade dabei war das Abendessen für meine drei Mädels zuzubereiten. Der Name des Anrufers kam mir irgendwie bekannt vor, doch es dauerte ein paar Augenblicke bis mir die Erleuchtung kam. Als er fragte, ob ich mich erinnern könne, antwortete ich spontan: „Amadeus“ und ahnte auch gleich, welchem Umstand ich den Anruf zu verdanken hatte.

Amadeus war ein Welpe aus dem A-Wurf und ein Bruder von unserer Avril. Lange, sehr lange hatte ich nichts von ihm gehört und nun dieser Anruf, das konnte nur bedeuten, dass er gestorben ist. Ja, so ist es auch, bestätigte der Besitzer und erzählte mir die Einzelheiten. Amadeus ist letzte Nacht friedlich eingeschlafen nachdem er in den letzten zwei Wochen recht schwach war. Aber bis dahin war er ein gesunder Hund gewesen, den der Tierarzt nur zum Impfen gesehen hat. Zwölf Jahre und zwei Monate alt ist er geworden, was eigentlich ein gutes Alter für einen Neufundländer ist, aber trotzdem empfindet man es als viel zu früh.

Der A-Wurf ist für einen Züchter etwas ganz Besonderes: Das erste Mal eine Geburt bei der eigenen Hündin zu erleben, die ganze Verantwortung dafür zu tragen, dass es Mutter und Welpen gut geht. Das ist schon ein beeindruckendes Erlebnis. Ich weiß noch, wie ich vor lauter Sorge bei der Geburt etwas falsch zu machen, die Hündin ins Auto gepackt habe und zum Tierarzt gefahren bin. Auf dem Weg dorthin wurde der erste Welpe im Auto geboren. . .

Es ist zum Glück alles gut gegangen, wenn auch leider von den elf Welpen die beiden zum Schluss geborenen tot waren. Die neun lebenden – drei Rüden und sechs Hündinnen – waren aber gesund und munter und machten viel Arbeit aber auch viel Freude. Dann die Abgabe an die neuen Besitzer, und eine sollte bei uns bleiben. Es war die Kleinste – Avril genannt – , die vor zwei Monaten 12 Jahre alt geworden ist, und zwar genau am 1. April. Der A- Wurf war ein Aprilscherz aber ein ganz wunderbarer!

Der heutige Anruf war nicht der erste, denn in den letzten Monaten sind von den Neun bereits vier gestorben – mit Amadeus nun also fünf. Es ist jedes Mal ein trauriger Anlass für mich, aber es gehört leider nun einmal dazu, wenn man Züchter ist.

 

Nur ein Welpe oder zwei? Ich glaube es nicht!

Die heutige Ultraschalluntersuchung war wieder enttäuschend. Die erste Reaktion des Tierarztes war: „Da ist nichts.“  Als ich ihn daran erinnerte, dass wir vor fünf Tagen doch zumindest eine Fruchtblase recht deutlich gesehen haben, suchte er weiter und fand die eine schließlich auch. Das war der Anlass, doch noch einmal intensiv weiter zu forschen. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, als er sagte, dass da eventuell auch ein zweiter Welpe wäre, wobei er sich aber nicht ganz sicher sei. Also das selbe Resultat wie beim letzten Mal.

Was soll man dazu sagen? Zunächst einmal erinnerte ich mich daran, dass bisher bei allen acht Würfen von drei verschiedenen Hündinnen nicht ein einziges Mal die prognostizierte Zahl der Welpen gestimmt hat, es waren am Ende immer ein bis drei Welpen mehr als vermutet. Offensichtlich kann uns der Ultraschall nicht alles offenbaren. Es bleibt (noch) ein Geheimnis und wird spannend, wenn in gut drei Wochen die Röntgenaufnahme gemacht wird. Wie sagt man so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und ich hoffe auf drei oder vier Welpen!

Welpen? Ja. . . vielleicht. . .

Warum kann bei Elli nicht einmal etwas auf Anhieb klappen? Sie ist ein ausgesprochenes Sensibelchen und ziert sich etwas, bevor sie sich auf eine Sache einlässt. Das war beim Decken so, wo sie erst beim dritten Besuch bereit war, und heute wollte sie uns ihr „süßes Geheimnis“ anscheinend noch nicht preisgeben.

Gespannt und mit klopfendem Herz schaute ich über die Schulter des Tierarztes auf den Monitor. Elli hatte sich ungerührt den Bauch rasieren lassen und stand ganz brav auf dem Tisch, während der Schallkopf mit dem kalten Gel hin un her fuhr. Nur an ihrer leicht tropfenden Nase konnte ich ihre Nervosität erkennen. Auf dem Bildschirm erschien für einen Moment ein dunkler Fleck und der Tierarzt meinte:“Das könnte einer sein.“ Ja, das vermutete ich auch. Kurz darauf glaubte ich noch etwas zu sehen, was aber so schnell wieder verschwand, dass ich nicht sicher war. So blieb es auch in den nächsten Minuten: Es ließ sich nicht wirklich etwas fassen.  . .

Da heute erst der 25. Tag nach dem Decken ist, beschlossen wir, die Untersuchung am Dienstag nach Pfingsten noch einmal zu wiederholen. Auf der Heimfahrt beschlich mich das Gefühl, dass meine clevere Elli etwas vor uns versteckt gehalten hatte. . .

Na, wir werden es schon noch herausfinden.