Kleiner Bolle ganz groß

Zehneinhalb Kilogramm wiegt Bolle inzwischen und das im zarten Alter von 8 Wochen. Das ist schon nicht schlecht, dachte Bolle sich und setzte am Sonntag sein ganzes Gewicht ein, um zwei kämpfende Neufidamen, die gemeinsam das Zehnfache wiegen, auseinander zu bringen. Natürlich ist es ihm nicht gelungen  und der Kampf war nur ein Spiel, aber es war ein herrlicher Anblick, wie er voller Selbstbewusstsein mit aufrechter Imponier-Haltung immer wieder Anstalten machte, dazwischen zu gehen. Der kleine Friedensrichter hat wirklich großen Mut bewiesen!

Die beiden Damen waren unsere Elli und Fine, die zweijährige braune Hündin von unseren Freunden aus Gelsenkirchen. Fine hat an diesem Tag zum ersten Mal Bekanntschaft mit Bolle gemacht und benahm sich dem kleinen Kerl gegenüber sehr rücksichtsvoll. Während das Trampeltier Elli ihn fast überrannte, hat Fine sofort abgebremst, wenn er ihr in die Quere kam, so nach dem Motto: „Ich bremse auch für Welpen“, was Bolle natürlich ganz toll fand.

Mit dieser neuen Freundin hat er den Abschiedsschmerz von Hermine schnell vergessen. Erst am Abend hat er kurz nach ihr „gerufen“. Er saß wie ein kleines Häuflein Elend in der Kiste und ich musste ihn in den Arm nehme und trösten. Tagsüber spielen Princesse und Elli mit ihm, so dass er seine Schwester nicht so sehr vermisst, aber nachts. . . Hermine geht es in ihrem neuen Heim so ähnlich. Sie ist tagsüber mit dem Erkunden der fremden Umgebung und dem Kennenlernen der neuen Menschen beschäftigt, aber nachts – so scheint es -vermisst sie ihren Bruder.

Princesse hat die Trennung von ihrer Tochter gut verkraftet. Sie hat schon gemerkt, was los ist, als Hermines neue Familie am Sonntag Vormittag kam. Ich kann es nicht erklären, aber ich habe es ihr angemerkt. Sicher hat sie an meinem Verhalten erkannt, dass der Besuch an diesem Tag einen besonderen Grund hatte, schließlich war ich auch etwas nervös, wie immer beim Abschied eines von „meinen Babys“. Als die Familie mit Hermine in ihrem VW-Bus saß, durfte Princesse wie immer ins Auto schauen, damit sie Bescheid weiß und nicht nach ihrem Kind sucht. So stand sie in der Türöffnung und schaute Hermine an, die in einem Wäschekorb neben ihrem neuen Frauchen thronte. Lange stand sie da und es kam mir vor, als führte sie ein stummes Zwiegespräch mit ihrer Tochter.