Kleiner Bolle ganz groß

Zehneinhalb Kilogramm wiegt Bolle inzwischen und das im zarten Alter von 8 Wochen. Das ist schon nicht schlecht, dachte Bolle sich und setzte am Sonntag sein ganzes Gewicht ein, um zwei kämpfende Neufidamen, die gemeinsam das Zehnfache wiegen, auseinander zu bringen. Natürlich ist es ihm nicht gelungen  und der Kampf war nur ein Spiel, aber es war ein herrlicher Anblick, wie er voller Selbstbewusstsein mit aufrechter Imponier-Haltung immer wieder Anstalten machte, dazwischen zu gehen. Der kleine Friedensrichter hat wirklich großen Mut bewiesen!

Die beiden Damen waren unsere Elli und Fine, die zweijährige braune Hündin von unseren Freunden aus Gelsenkirchen. Fine hat an diesem Tag zum ersten Mal Bekanntschaft mit Bolle gemacht und benahm sich dem kleinen Kerl gegenüber sehr rücksichtsvoll. Während das Trampeltier Elli ihn fast überrannte, hat Fine sofort abgebremst, wenn er ihr in die Quere kam, so nach dem Motto: „Ich bremse auch für Welpen“, was Bolle natürlich ganz toll fand.

Mit dieser neuen Freundin hat er den Abschiedsschmerz von Hermine schnell vergessen. Erst am Abend hat er kurz nach ihr „gerufen“. Er saß wie ein kleines Häuflein Elend in der Kiste und ich musste ihn in den Arm nehme und trösten. Tagsüber spielen Princesse und Elli mit ihm, so dass er seine Schwester nicht so sehr vermisst, aber nachts. . . Hermine geht es in ihrem neuen Heim so ähnlich. Sie ist tagsüber mit dem Erkunden der fremden Umgebung und dem Kennenlernen der neuen Menschen beschäftigt, aber nachts – so scheint es -vermisst sie ihren Bruder.

Princesse hat die Trennung von ihrer Tochter gut verkraftet. Sie hat schon gemerkt, was los ist, als Hermines neue Familie am Sonntag Vormittag kam. Ich kann es nicht erklären, aber ich habe es ihr angemerkt. Sicher hat sie an meinem Verhalten erkannt, dass der Besuch an diesem Tag einen besonderen Grund hatte, schließlich war ich auch etwas nervös, wie immer beim Abschied eines von „meinen Babys“. Als die Familie mit Hermine in ihrem VW-Bus saß, durfte Princesse wie immer ins Auto schauen, damit sie Bescheid weiß und nicht nach ihrem Kind sucht. So stand sie in der Türöffnung und schaute Hermine an, die in einem Wäschekorb neben ihrem neuen Frauchen thronte. Lange stand sie da und es kam mir vor, als führte sie ein stummes Zwiegespräch mit ihrer Tochter.

Resümee

Wenn ich auf die letzten Tage und Wochen zurückschaue, dann kommt ein bisschen Wehmut auf aber auch Freude und ein wenig Stolz. Wehmut, weil die spannende und wunderschöne Zeit der Aufzucht der beiden Babys schon vorbei ist. Freude, weil ich es wieder einmal erleben durfte, wie aus so winzigen, hilflosen Wesen ganz herrliche, selbstbewusste Welpen wurden. Und Stolz auf meine tolle Princesse, die beste Hundemama der Welt. Ach ja, und natürlich auch Dankbarkeit darüber, dass meine Hündin mir erlaubt hat, dieses spannende Erlebnis der Aufzucht ihrer Kleinen mit ihr gemeinsam zu teilen. Wir waren wieder einmal ein richtig gutes Team.

Das zeigte sich gerade heute früh wieder, als Princesse mich mit ihrer dicken Nase mitten ins Gesicht stupste, um mich zu wecken. Es war 6 Uhr – bzw. nach Winterzeit erst 5 Uhr – und ich hatte null Bock aufzustehen. Aber sie ließ mir keine Ruhe und stupst ganz energisch ein zweites Mal. „Okay, schon gut, ich komme ja“, sagte ich und torkelte noch ganz verpennt die paar Schritte hinüber zum Welpenzimmer – eigentlich Eßzimmer -, wo die Kleinen schon hellwach in der Schlafkiste – eigentlich Wurfkiste – standen und bei meinem Anblick leise fiepten (es hörte sich an als ob sie über meinen verpennten Anblick lachen würden). Aber ich war sofort hellwach und konnte mein Glück kaum fassen, denn zum zweiten Mal in Folge war auch heute alles sauber und trocken! Sie hatten also wieder  „durchgehalten“ – super! Ich schnappte sie mir und brachte sie hinaus, zuerst die achteinhalb Kilo schwere Hermine und dann den noch einen Kilo schwereren Bolle.  Während Princesse draußen Aufsicht führte, füllte ich das Futter und etwas Wasser in zwei Näpfe und ließ alles noch ein paar Minuten stehen. Die Zeit nutzte ich dazu, mich warm anzuziehen, um gegen die Kühle des Herbstmorgens gewappnet zu sein. Dann bekam Elli erst mal ihre Augentropfen ins entzündete linke Auge, was  nicht leicht war, da sie sich meinem Griff zu entwinden versuchte und alles in einen kleinen Kampf ausartete. Aber was sein muss. . .

Dann das Übliche morgendliche Procedere: Die hungrigen Kleinen stürzten sich auf ihr Futter und ich löste Princesse bei der Aufsicht ab, damit sie gemeinsam mit Elli auf die obere Wiese gehen konnte. Beim Beobachten der schmatzenden Babys ließ ich noch einmal die letzten Tage Revue passieren: Die Untersuchung der Welpen durch die Tierärztin, das Impfen und Chippen, dann die Wurfabnahme durch den Zuchtwart – alles war bestens gelaufen und mir wurde   bescheinigt, dass ich kerngesunde und ganz tolle Welpen habe (was ich natürlich schon vorher wusste). Die Kleinen haben sich aber auch vorbildlich benommen: Hermine, die etwas Extrovertierte, fand alles spannend und lustig, während Bolle bei der ganzen Prozedur wie eine Statue auf dem Tisch stand als wolle er sagen „Hoffentlich sind die bald fertig mit mir!“ Auch Princesse wurde untersucht und man fand sie topfit. Also alles bestens!  Ja, und auch die zweite Autofahrt mit den Beiden plus Mama klappte super gut – diesmal ganz ohne Kotzen und Sch. . .  obwohl ich diesmal gut ausgrüstet war mit Küchenrolle und allem.

Was soll man sich da noch wünschen? Ich wünsche mir, dass die neuen Besitzer mich und meinen Mann an der Entwicklung der Welpen durch Fotos und Berichte noch ein bisschen teilhaben lassen und sich bei Fragen und Problemen vertrauensvoll an mich wenden.

 

 

 

Eine aufregende Autofahrt

Eigentlich bin ich mit dem Auto immer sehr zügig unterwegs, aber gestern bin ich gefahren, als hätte ich eine Ladung rohe Eier an Bord. Der Grund für meine übervorsichtige Fahrweise waren meine drei Schätzchen: Princesse, Hermine und Heartbreaker Bolle. Doch bevor die Fahrt losging, gab es für die beiden Kleinen erst mal einen „Einführungskurs“.

Das machte ich folgendermaßen: Als erste durfte Princesse ins Auto springen, wobei „springen“ heute nicht auf ihrem Programm stand, vielmehr legte sie die Vordepfoten auf den Einstieg und ich durfte ihr Hinterteil hochheben. Uff, als ich sie glücklich hineingehievt hatte, holte ich Hermine und danach Bolle und legte beide neben ihre Mama. Natürlich musste das unbekannte Umfeld erst einmal gründlich inspiziert werden. Ich ließ ihnen Zeit. gab ab und zu ein Leckerchen und erzählte dabei, dass wir gleich auf große Fahrt gehen würden. Dann ließ ich den Motor an und setzte mich wieder zu der Rasselbande nach hinten, um sie zu beruhigen, denn das Vibrieren und das Geräusch des Motors hatte bei ihnen lauten Protest ausgelöst. Einzig Princesse blieb ruhig, sie kennt das ja.

Wieder gab es Leckerchen, und als die Kleinen ruhig waren, wagte ich es loszufahren – ganz laaangsam natürlich und ganz sanft um die erste Kurve. Im Fond blieb es mucksmäuschenstill. Bei ansteigender Geschwindigkeit kam dann doch von Hermine das erste Klagelied. Also drosselte ich das Tempo wieder – sofort war sie still. Aber die ganze Strecke mit Tempo 25 zu fahren ging ja nunmal leider nicht und ich beschleunigte wieder, aber – o Wunder – es blieb still. Die ganze Zeit erzählte ich laut, was für brave Babys  sie doch seien, sooo brav und toll und mutig. Doch dann – ich traute meiner Nase nicht – kroch ein unangenehmer Geruch aus dem Fond zu mir. Da hatte doch ein kleiner Hosenscheißer . . . Nein, das glaube ich jetzt nicht! An der nächsten roten Ampel drehte ich mich nach hinten um und da sah ich die Bescherung. . .  Siedend heiß fiel mir ein, dass ich an solche Dinge wie Küchenrolle, Tücher, Plastiktüte usw. nicht gedacht habe, also was tun? Da ich sowieso tanken musste, fuhr ich die nächste Tankstelle an und riss die Tür auf, um den Gestank hinaus zu lassen. Dann durchsuchte ich das Auto nach Papier und dergleichen und fand ein angebrochenes Päckchen Tempotücher und eine Packung feuchte „Cockpitreinigungstücher“. Damit gelang mir die Entfernung des Malheurs ganz vorzüglich. Ab damit in den Abfalleimer und alles war wieder gut.

Nach dem Tanken ging es wieder auf den Heimweg. Die Welpen sagten keinen Mucks und ich war sehr zufrieden. Erst als ich vor einer auf Rot springenden Ampel etwas abrupt bremsen musste, hörte ich von hinten ganz deutlich jemanden würgen und erbrechen. Mist! Diesmal war es Bolle, der unter Reiseübelkeit litt. Bis wir zu Hause ankamen, hatte er die Bescherung aber selbst wieder beseitigt – nach dem Motto: „Doppelt gefressen hält besser“.  Also kann’s so schlimm nicht gewesen sein.

Nur noch drei Tage

Ja, es sind tatsächlich nur noch drei Tage bis Hermine abgeholt wird. Dann beginnt ihr spannendes Leben in einer fünfköpfigen Familie. Kleine Kinderhände werden sie streicheln, die dabei hoffentlich nicht zu viele Kratzer abbekommen; sie wird immer Spielkameraden haben, die sicher auch so manchen Unsinn machen;  und sie wird gekuschelt und geschmust werden, was ihr sehr gefallen wird.

Meiner Meinung nach kann man Kindern keinen größeren Gefallen tun, als sie mit einem Hund als Freund und Begleiter aufwachsen zu lassen und ein Neufundländer eignet sich besonders gut dafür. Natürlich ist die Kombination Welpe mit kleinen Kindern unter 6 Jahren für die Eltern zunächst einmal eine Herausforderung, denn sie müssen dafür Sorge tragen, dass 1. der Welpe nicht überfordert wird und 2. die Kinder lernen, wie man mit einem jungen Hund umgeht. Noch zwei Monate lang hat der Welpe seine extrem spitzen Milchzähne, die wirklich scheußlich wehtun, wenn sie in Hände zwicken, sei es auch nur spielerisch. Und wenn es nicht die Finger erwischt, dann vielleicht das Lieblings T-Shirt, das ein Loch bekommt. Da hat man als Mutter/Vater zu trösten und zu erklären, dass der kleine Hund es nicht böse gemeint hat. Aber wenn man die schwierige Eingewöhnungseit überstanden hat, dann haben Hund und Kinder sehr viel voneinander bzw. übereinander gelernt. Das kann ich als Mutter von vier Kindern sagen, die mit Neufis aufgewachsen sind.

Mein Mann und ich haben in den zwei Monaten der Aufzucht besonders darauf geachtet, dass Hermine und Bolle lernen, nicht in menschliche Haut zu beißen, seien es Hände, Arme oder Beine. Wir haben das Streicheln oder Spielen sofort abgebrochen, kurz gewartet und es erneut probiert, so lange bis die Kleinen kapiert haben, worum es geht. Wenn Hermine mit Bolle „kämpft“ oder von Princesse auf den Rücken gedreht und gezwickt wird, kann die Süße ganz schön wütend werden, sie keift und bleckt die Zähne. Heute habe ich in genau so einer Situation eingegriffen und meine Hand auf Hermines Brust gelegt und sie ganz leicht gekrault. Sofort war sie still und entspannte sich. Das hat mich doch sehr beruhigt, denn so muss es sein.

Meine kleine Maus, du bist nun gut gerüstet für das Leben und ich wünsche dir eine lange, glückliche Zeit mit deiner neuen Familie.

Ruhezeiten

Es ist 23 Uhr und alle fünf Hunde schlafen: Elli liegt im Wohnzimmer völlig entspannt auf dem Rücken, Princesse hat sich in die Küche auf die kühlen Fliesen gelegt, Avril schnarcht aus der Sofaecke leise vor sich hin und die beiden Welpen hört man aus der Wurfkiste wie kleine Dampfloks schniefen. Ich finde das alles ungemein beruhigend und entspannend. Zuvor bekamen natürlich alle ihre mehr oder weniger ausgiebigen Streicheleinheiten – ganz nach Bedarf. Bolle wurde heute von meinem Mann durchgekrault und Hermine war mein „Schoßhund“.

Meist schlafen die Kleinen bis 5 Uhr durch, wenn ich Glück habe auch bis 6 Uhr. Aber manchmal werde ich mitten in der Nacht durch einen unangenehmen Geruch aus meinen Träumen gerissen, weil einer auf die Welpen-Toilette gegangen ist, die in der Wurfkiste steht. Naja, dann mache ich halt schnell alles wieder sauber. Morgens bringe ich Beide nach draußen und wünsche mir, es wäre Sommer. Nicht wegen der Temperatur sondern wegen der Helligkeit, weil es mir dann deutlich leichter fällt, so früh aufzustehen. Frühstück gibt es für die Kleinen gegen 7 Uhr und die Großen eine Stunde später – die schlafen nämlich auch gerne weiter bis es draußen hell ist. Nach dem Fressen wollen Hermine und Bolle erst mal ausgiebig toben, meist eine halbe Stunde lang, dann ist es plötzlich still und sie schlafen eng aneinander gekuschelt im Freien. Tagsüber sind sie vorwiegend draußen, was ihnen sichtlich Spaß macht, besonders wenn die Großen dabei sind. So wechseln sich Spiel und Schlaf ab, nur unterbrochen durch die Fütterungszeiten. Man muss sie draußen beaufsichtigen, weil sie auf die verrücktesten Ideen kommen. Nichts ist vor ihnen sicher und alles wird auf Fressbarkeit getestet. Das Leben ist ja so spannend!

 

Besuchszeiten

Inzwischen habe ich für meine beiden Süßen einen Terminkalender angelegt, damit wir bei den vielen Besuchern nicht den Überblick verlieren. Vorrang vor allen anderen haben natürlich die zukünftigen Besitzer von Hermine und von Heartbreaker Bolle, da werden schließlich schon die ersten zarten Bande geknüpft. Außerdem haben Freunde, Verwandte und ehemalige Kollegen/ Kolleginnen großes Interesse an dem jüngsten Nachwuchs von Princesse.

Vorigen Samstag hatten wir einen besonderen Gast bei uns, der zudem noch den weitesten Anfahrtsweg hatte: Anne Paetznick, das Frauchen von Brahms, dem Papa der Babys, hat den langen Weg von Leipzig nicht gescheut, um den Nachwuchs zu begutachten. Und es war Liebe auf den ersten Blick! Da waren wir natürlich mächtig stolz, so wie Anne auf ihren Brahms stolz sein kann. Hier haben sich in der Tat die besten Gene zusammengefunden. Natürlich wird die Entwicklung der Kleinen in den nächsten zwei/ drei Jahren noch zeigen, wie weit sich unsere Erwartungen erfüllen, aber der Anfang ist schon sehr vielversprechend.

Am Wochenende schauten auch die neuen Familie von Hermine und Bolle vorbei, am Montag eine gute Freundin von mir und am Dienstag ein Kollege von meinem Mann. Und alle haben dieses gewisse Lächeln auf dem Gesicht, wenn sie die kleinen Bärchen anschauen. Für die Menschen ist es einmal eine kleine Auszeit vom Alltagsstress und für die Welpen eine wichtige Erfahrung. Sie laufen immer ganz freudig auf die Besucher zu und lassen sich gerne streicheln und knuddeln. So merken sie auch gleich, dass Kinder sich anders verhalten als Erwachsene, und sie entwickeln ein Urvertrauen zu Menschen, das in ihrem künftigen Leben hoffentlich nie enttäuscht wird. Im Übrigen sollen sie auch lernen, vorsichtig mit ihren spitzen Zähnchen umzugehen und damit weder in Hände zu beißen noch an Kleidung zu zerren. Das klappt nicht immer, aber – wie man so schön sagt – immer öfter. Besucher – ob groß oder klein – sind uns also jederzeit herzlich willkommen, solange noch Termine im Kalender frei sind.

Hier noch die Info zum aktuellen Gewicht der Welpen von Mittwochabend: Hermine: 7.340 Gramm und Bolle: 7.820 Gramm

 

 

Fütterungszeiten

6 Wochen alt und schon 6 Kilogramm schwer – Bolle kann man beim Wachsen zusehen. Und Hermine ist mit 5,5 Kilo auch kein Leichtgewicht mehr. Groß sind sie geworden! Die neuen Besitzer werden staunen, wenn sie am Wochenende zu Besuch kommen.  Obwohl beide Welpen sich viel bewegen, nehmen sie pro Woche ein gutes Kilo an Gewicht zu. Aber wenn ich sehe, mit welchem Appetit sie fressen, wundert es mich auch nicht. Egal ob Welpenfutter, Milchbrei oder manchmal auch Fleisch – ratzfatz ist alles verputzt. Kürzlich gab es als Highlight Kalbsbrustknochen mit viel Fleisch dran, das war ein Festmahl!

Auch wenn sie es nicht mehr so unbedingt nötig haben: am Liebsten ist ihnen immer noch Mamas Milchbar. Da werden schon mal die ulkigsten Verrenkungen gemacht, um daran zu kommen, wenn Mama gerade vorbei geht. Aber manchmal will Mama einfach nicht – und das kommt immer häufiger vor, was für die Kleinen schwer zu verstehen ist. Bolles Gesicht sprach Bände, als Princesse gestern Nachmittag den Zugang zur Milch versperrte, indem sie sich platt auf den Boden legte. Die beiden Quälgeister hatten die Bäuche noch voll von der Breimahlzeit und wollten gerne noch ein Schlückchen zum Nachspülen haben, aber Mama sagte NEIN! Sie zeigte es sehr deutlich und blaffte ihre Kinder an, als sie sich den Zitzen näherten. Hermine verstand sofort den Ernst in Mamas Stimme und trollte sich zum Wassernapf. Bolle wollte sein Glück nochmal versuchen und nutzte einen Moment der Ablenkung von Mama, um ganz vorsichtig seine Nase unter ihren auf den Boden gepressten Bauch zu schieben. Aber prompt kam eine dicke Abmahnung und der kleine Kerle wich erschrocken zurück. Aber an Aufgeben dachte er nicht, also musste er es anders versuchen. Bolle ging nun langsam um Princesse herum und suchte einen anderen Zugang zur Milchbar, aber den gab es nicht und so versuchte er es mit Schmeichelei. Er leckte ganz zart an Mamas Schnauze, doch vergebens. Er tat mir fast schon leid, als er so mit ratlosem Gesichtausdruck vor ihr stand, als wollte er sagen:“ Das kann doch nicht dein Ernst sein!“ Schließlich drehte er sich um und schlich davon.

Was dann geschah, hat mich verblüfft: Princesse stand schließlich doch auf und gab die begehrte Milchbar frei. Als erste hing Hermine, die alles aus der Ferne beobachtet hatte, an der Zitze. Bolle hörte ihr lautes Schmatzen und kam freudestrahlend angeflitzt.

 

 

 

Spielzeiten

Das Spielen ist ja bekanntermaßen ein wichtiger Grundstein für das Leben. Im Spiel wird die Welt erkundet, es werden die eigenen Fähigkeiten erprobt und das Selbstbewusstsein gestärkt. Das trifft auch auf Hundewelpen zu und ist bei ihnen herrlich anzusehen. Zum Beispiel wenn sie zusammen an einem Spielzeug zerren und der Sieger stolz damit wegläuft, oder wenn sie miteinander rangeln und sich auf dem Boden kugeln. Mama Princesse greift auch nur dann ein, wenn es zu agressiv wird. Im Übrigen spielt sie selbst auch ab und zu mit ihren Babys, indem sie sich ein Spielzeug nimmt und es schüttelt. Wenn die Kleinen neugierig herbei kommen, legt sie sich auf den Boden und lässt sie danach schnappen, um es sogleich wieder weg zu nehmen und erneut zu schütteln. Das geht so lange bis sie die Lust verliert und das Spielzeug den Kleinen überlässt.

Elli spielt manchmal Nachlaufen mit den Kleinen, wobei ich eingreife, wenn es zu toll wird. Die Babys kriegen nämlich wirklich Panik, wenn Elli sie immer wieder in den Nacken packt. Aber sie kann auch ganz sanft mit ihnen spielen und dann kommen sie gerne zu ihr. Selbst unsere alte Oma Avril hat manchmal Lust zu spielen und hüpft dabei ein wenig unbeholfen vor den Kleinen hin und her, die dann nicht so recht wissen, was das bedeutet.

Seit Samstag haben Hermine und Bolle nun auch den kleinen Vorgarten zum Toben und Entdecken, was ihnen ausgesprochen gut gefällt. Zu Anfang waren sie noch recht vorsichtig auf dem neuen Terrain aber schon nach einer Viertelstunde siegte die Freude am Erkunden. Stöckchen, Gräser, Blätter, Steine wurden genau untersucht und auf Essbarkeit getestet. Mehrmals musste ich kleine Steine aus den Schnäuzchen holen. Als später das Tor zum neuen Paradies mal geschlossen war, fand Hermine einen Weg, sich darunter durch zu quetschen. Jetzt lassen wir es lieber gleich offen.

Erziehungszeiten

Fünf Wochen alt sind die kleinen Racker nun und voller Unternehmenslust und Übermut. Aber wie heißt es so schön: „Übermut tut selten gut“ und dass mussten sie heute am eigenen Leib erfahren. Hermine und Bolle spielen und raufen gerne miteinander und manchmal übertreiben sie es dabei, indem sie knurren, kneifen und beißen. Was würde eine Menschenmutter mit ihren Kindern bei soviel Agressivität machen? Sie würde die beiden Kämpfer sicher voneinander trennen und jedem ordentlich Bescheid sagen, dass so ein Verhalten gar nicht geht. Und tatsächlich hat Princesse dasselbe auf ihre Art auch gemacht.

Sie ging sofort dazwischen als Hermine und Bolle sich im wahrsten Sinne des Wortes „in der Wolle“ hatten. Dann knöpfte sie sich zunächst ihr Töchterchen vor, das sie „im Schwitzkasten“ – also zwischen Vorderbeinen und Brust eingeklemmt – festhielt und dabei mit den Vorderzähnen mehrmals in den Nacken kniff. Hermine quiekte erbärmlich und versuchte vergeblich zu entkommen, doch Mama ließ nicht locker. Je mehr die Kleine strampelte, desto intensiver wurde sie gekniffen und zwar so lange, bis sie völlig still da lag. Mit Bolle, der aus respektvollem Abstand zugeschaut und dann vergebens versucht hatte zu entwischen, machte Mama das gleiche. Das Söhnchen war allerdings klüger als seine Schwester und drehte Mama gleich den nackten Bauch entgegen, nach dem Motto: „Hab Erbarmen, ich ergebe mich!“ Das verkürzte die Tortur für ihn erheblich.

Danach wurden die Beiden weiterhin von Mama scharf beobachtet und immer wieder fand sie einen Anlass einzugreifen. Für mich als faszinierte Zuschauerin war es manchmal nicht ersichtlich, warum die Kleinen schon wieder Schelte von Princesse bekamen, aber dabei spielten sicher auch solche Dinge ein Rolle wie zum Beispiel freche Blicke oder das Überschreiten der von Mama gesetzte Grenzen und ähnliches. Jedenfalls nimmt Princesse die täglichen Erziehungszeiten sehr ernst und die Kleinen lernen dabei wichtige Verhaltensweisen für ihr Leben.

Zwei kleine Genies

Was habe ich doch für intelligente Welpen! Die beiden sind richtige kleine Genies! Innerhalb von einem Tag haben sie gelernt, die Hundetoilette zu benutzen. Dabei handelt es sich um eine rechteckige flache Kunststoffschale mit einer saugfähigen Einlage, die man nach Bedarf austauschen kann. Natürlich sollen Hermine und Bolle in nächster Zeit lernen, auf Gras und Erde ihre „Geschäfte“ zu machen, aber die Hundetoilette ist ein guter Anfang für die Sauberkeitserziehung.

Die Welpen vermeiden es nämlich bereits ab der 4. bis 5. Lebenswoche ihren Liege- und Spielplatz zu beschmutzen und suchen einen Platz davon entfernt auf. Nun haben wir für tagsüber eine Toilette im Welpengehege und für nachts eine in der Wurfkiste, die beide eifrig benutzt werden. Manchmal ist der Eifer so groß, dass der oder die Kleine nur mit den Vorderbeinen in der Toilette stehen, was dann natürlich nicht das Ziel trifft. Oder nur die Hinterbeinchen stehen aud der Schale und der Rand wird angepieselt. Es sind also noch Verbesserungen nötig, aber es ist ganz toll, dass Beide den Sinn und Zweck dieses Gegenstandes verstanden haben und ihn ganz bewusst aufsuchen. Ich finde das genial!

Inzwischen dürfen die Welpen auch schon unter Aufsicht ihr Gehege verlassen und die Umgebung erkunden. Da treffen sie dann zum Beispiel auf die alte Oma Avril, die gerade ihr Mittagsschläfchen hält und nicht gestört werden will. Ein Brummen von ihr und die Kleinen legen den Rückwärtsgang ein. Mit Elli gibt es diese Probleme nicht, die freut sich über den kleinen Besuch. Und wenn Mama Princesse in der Nähe ist, wird sie gleich mal auf ein Schlückchen angezapft. So erweitert sich nach und nach der Wirkungskreis der kleinen Entdecker und in den nächsten Tagen werden sie sicher die kleine Wiese aufsuchen und dort ihre „Geschäfte“ machen.