Wenn Mama streikt. . .

. . . dann wird Frauchen nervös!  So geschehen heute Morgen um halb fünf. Ich wurde vom Gejammer der Welpen geweckt und saß sofort senkrecht im Bett bzw. auf dem Schlafsofa. Ach die armen Babys, sie haben bestimmt großen Hunger, das war mein erster Gedanke. Ich tastete mich zum Lichtschalter und versuchte, mich zu orientieren. Wo ist Princesse? Sie lag auf ihrem Lieblingsplatz – auf den Fliesen vor dem Kachelofen – und schnarchte völlig ungerührt vor sich hin. Es dauerte eine Weile bis ich sie davon überzeugt hatte, zu ihren jammernden Kindern zu gehen. Sie hatte absolut keinen Bock darauf. Was sind das denn für neue Allüren? Ich verstand nun garnichts mehr und war erst beruhigt, als die Kleinen an ihren Zitzen angedockt hatten. Doch kaum hatte ich mich umgedreht, stand sie hinter mir, ging dann auf ihren Liegeplatz zurück und ließ sich seufzend dort nieder. „W as ist denn mit dir los?“ fragte ich sie und bekam als Antwort einen leidenden Blick.

Mir gingen alle möglichen Horrorszenen durch den Kopf: Gesäuge-Entzündung, Fieber, bakterielle Gebärmutterentzündung oder sonst irgend etwas Schlimmes. Vor dem Einschlafen hatte ich noch in dem Fachbuch „Neonatologie beim Hund“ gelesen, in dem alle erdenklichen Krankheiten von Hündin und Welpen beschrieben sind. Und jetzt das!  Morgens um 5 Uhr in die Tierklinik zu fahren, war für mich undenkbar, denn das hatte ich vor zwei Wochen ja schon erlebt und nicht in guter Erinnerung. Aber man muß den Tatsachen ins Auge blicken, dachte ich bei mir und begann, die Hündin gründlich zu untersuchen. Zuerst Fieber messen: 38,4 – also völlig normal. Dann die Untersuchung des Gesäuges: ich drückte jede einzelne Zitze und es kam wunderbar weiße Milch heraus. Es war nichts rot oder geschwollen, alles bestens. Dann kontrollierte ich mit einem Kleenex den Ausfluss, der klar und unauffällig war. Es roch auch nichts irgendwie komisch. Meine Princesse hatte das alles brav über sich ergehen lassen und wollte nun endlich weiter schlafen.

Die Welpen waren inzwischen auch wieder ruhig, aber ich konnte beim besten Willen nicht mehr schlafen. Also räumte ich die Spülmaschine aus, deckte den Tisch fürs Frühstück und las die Tageszeitung. Gegen 7 Uhr sah ich Princesse zur Wurfkiste trotten, wo sie ihren Babys das Frühstück „servierte“. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Die Kleinen hatten um halb fünf nicht gejammert weil Mama in den Streik getreten war, sondern weil sie sich fast bis zum Platzen satt getrunken hatten – während ich schlief.