Hunger macht erfinderisch

Die Lieblingsbeschäftigung von Princesse ist Fressen. Sie hat das Fress-Gen, das sie auch an die meisten ihrer Nachkommen vererbt hat. Und sie setzt ihre Intelligenz dazu ein, möglichst oft an etwas Fressbares zu kommen – da kennt sie keine Gnade. Von Natur aus eher ein phlegmatischer Typ, kann sie aber, wenn es gilt einen Leckerbissen zu ergattern, ausgesprochen flink sein.

Hier ein spektakuläres Beispiel: In unserem Urlaub Anfang Juni an der schönen Ostseeküste bei Rostock machten wir jeden Vormittag einen langen Strandspaziergang mit unseren drei Mädels. Meist war dann noch nicht viel Betrieb am Strand und wir konnten die Hunde frei laufen lassen. Am Wochenende kamen dann aber viele Kurzurlauber, die sich bei strahlendem Sonnenschein schon morgens ihre Liegeplätze gesucht hatten und nun hinter einem Windschutz ihre Picknickkörbe auspackten. Deshalb mussten unsere drei an der Leine bleiben. Da es aber sehr warm war, taten sie mir leid und  ich überredete meinen Mann, sie für ein erfrischendes Bad in der Ostsee kurz frei zu lassen. Princesse und Elli stürzten sich sogleich in die Fluten während Avril wie üblich nur ein Fußbad nahm. Als sie zurück kamen und sich kräftig geschüttelt hatten, wollte ich die nasse Princesse wieder anleinen, doch ich griff ins Leere, denn sie war im Affenzahn auf dem Weg zum nächsten Windfang hinter dem sich ein Pärchen befand, von dem ich aber nur die beiden Köpfe sah. Im selben Moment zischten Elli und Avril  an mir vorbei und hinter Princesse her. Die war inzwischen bei den Leuten angekommen und hatte  dem Mann bereits ein Brötchen aus der Hand geklaut. Als ich dort ankam, war das Chaos perfekt: Das Pärchen war aufgesprungen, weil meine drei klatschnassen Hunde dort zwischen den Strandlaken und Kleidungsstücken nach weiteren Brötchen suchten. Während ich mich darum bemühte, meine Hunde einzusammeln, fiel mir plötzlich auf, dass sowohl der erschrockene Mann als auch die kreischende Frau splitterfasernackt waren. Wie peinlich! Ich war nämlich angezogen mit T-Shirt, Jeans und Gummistiefeln. . . Ich hatte gar nicht gemerkt, dass wir vom Hundestrand auf den FKK-Strand gegangen waren.

Was ich damit sagen will: 1. Princesse riecht etwas Freßbares auf zehn Kilometer Entfernung und 2. Wer einen Neufundländer hat, muss sich selbst ein dickes Fell anschaffen – für so manche peinliche Situation.

Princesse ist zur Zeit noch hungriger als sonst. Nach ihrem enormen Appetit zu urteilen, müsste sie eigentlich zehn Welpen bekommen. Seit Montag bekommt sie drei Mal am Tag Futter und das gefällt ihr. Trotzdem schafft sie es, sich im Laufe des Tages noch den einen oder andere Leckerbissen zu erbetteln, am liebsten ein trockenes Brötchen.