Ein bisschen melancholisch

Zwei und einen halben Monat lang drehte sich alles um die Welpen. Ihr Wachsen und Gedeihen, ihre Förderung und Vorbereitung auf den Umzug ins neue Zuhause. Es hat mein Denken und Handeln bestimmt und andere alltägliche Dinge waren daneben unbedeutend. Nun ist auch der letzte kleine Racker glücklich bei seiner neuen Familie angekommen und ich kann noch nicht so richtig in den Alltag zurück finden. Es ist so, als wäre man lange an einem anderen Ort gewesen und muss sich zu Hause erst einmal wieder einleben.

Was fange ich jetzt mit meiner vielen Zeit an? Zunächst einmal richtig ausschlafen, habe ich gedacht, aber ich wurde um 5 Uhr wach und wollte zu den Kleinen gehen, als mir einfiel, dass ja keiner von ihnen mehr da ist. Das Spielzeug liegt noch draußen herum und auch die Liege, auf der sie gerne auf und ab gewippt sind, ist noch an ihrem Platz. Ich glaube, es wird Zeit alles weg zu räumen. . .

Emma allein zu Hause

Nein, ganz alleine ist Emma natürlich nicht, aber ohne ihre Geschwister wirkt sie manchmal sehr verloren. Als ihre Schwester Fee am Samstag abgeholt wurde und die Besitzerin sie auf dem Arm zum Auto trug, lief Emma bis zum Tor hinterher und wäre sicher mit gefahren, hätte man sie gelassen. Mama Princesse, Elli und sogar Avril kümmern sich ganz rührend um sie. Elli versucht es mit toben aber da stimmen leider die Größenverhältnisse nicht so ganz, auch wenn sie in Spielaufforderungs-Position mit dem Vorderteil ganz runter geht und sich so klein wie möglich macht. Emma hat keine Angst vor dem wilden Monster und ist hart im Nehmen. Ich kann das manchmal gar nicht mit ansehen, besonders wenn Elli „die wilde Jagd“ spielt und Emma überrennt, die dabei über die Wiese gekugelt wird. Emma nimmt es gelassen, sie steht auf, schüttelt sich und nimmt nun ihrerseits die Verfolgung von Elli auf. Wird das Spiel zu wild und ich muss Elli bremsen, dann ist Avril meist schon zur Stelle, um mir die Aufgabe abzunehmen. Das wirkt immer.

Wir Zweibeiner sind fürs Schmusen zuständig, was Klein-Emma sehr genießt. Wenn man sie ruft, kommt sie sofort und wackelt begeistert mit dem Schwänzchen. Sie versucht bei jeder Gelegenheit ins Wohnzimmer zu gelangen. Sobald jemand dass Kindergitter öffnet, schlüpft sie hindurch. Natürlich darf sie das auch hin und wieder aber nur unter Aufsicht. Ich fürchte, ich gewöhne mich langsam schon zu sehr an das kleine braune Mädchen. Es ist schon nicht so leicht, den letzten Welpen abzugeben. Aber da gibt es eine ganz liebe Familie in Rheinberg, die schon sehnsüchtüchtig auf ihre  Emma wartet. . .

Nur noch zwei

Das ging jetzt Schlag auf Schlag: am Dienstag hat Geronimo seine Fahrt nach Bedburg angetreten, am Mittwoch lernte Onji sein neues Heim in Köln kennen und am Donnerstag wurde Gretchen nach Kall (in der Eifel) geholt. Alles klappte wunderbar und die Rückmeldungen sind bisher durchweg positiv.

Nun sind nur noch unsere zwei Kleinsten hier und das auch nicht mehr lange, denn am Samstag siedelt Fee nach Dortmund über und am Mittwoch Emma nach Rheinberg. Es ist schon bedeutend ruhiger bei uns geworden – zu ruhig. . . Fee und Emma wirkten ganz verloren auf der großen Wiese, gut dass die drei Großen noch dabei waren. Emma und Elli suchten gemeinsam die Johannisbeersträucher nach restlichen Beeren ab und Fee schmuste mit Mama Princesse. Avril hatte alle und alles im Blick und war zufrieden solange Elli nicht zu wild durch die Gegend raste. Es ging recht friedlich zu aber ich muss sagen, dass es mir besser gefallen hat, als dort noch alle sieben Welpen herum tobten.

Man hört nur Gutes

Es ging alles noch viel besser als wir erwartet hatten, sowohl Bella als auch Ginja haben sich nur von ihrer besten Seite gezeigt. Ich hatte jeder beim Abschied noch ins Ohr geflüstert: „Sei schön brav und mach mir keine Schande!“ Das hat wohl gewirkt. . . Während der Autofahrt hat Ginja auf dem Schoß des neuen Frauchens geschlafen und auch Bella war sehr brav. Im neuen Zuhause angekommen, wurde zunächst Haus und Garten inspiziert, erste  Kontakte mit den Katzen gesucht und die erste Mahlzeit im neuen Heim mit gutem Appetit verspeist. Im übrigen wurde viel gespielt und geschlafen. In der Nacht zweimal raus und ansonsten brav geschlafen, das ist für den Anfang doch recht gut. Bella meldet sich sogar, wenn sie raus muss! Die neuen Besitzer sind voll des Lobes über das neugierige und verspielte Wesen ihres Welpen – da bin ich echt ein bisschen stolz drauf.

Derweil geht es hier mit den fünf verbliebenen Welpen immer noch recht munter zu. Irgendwie merkt man aber doch, dass zwei fehlen. Princesse kümmert sich nach wie vor ganz rührend um ihre Babys, machmal übertreibt sie es sogar. Sie duldet es zwar nicht mehr, dass die Kleinen bei ihr trinken aber dafür würgt sie ihr eigenes Futter hervor, auf das sich alle fünf ganz begeistert stürzen. Das ist ein uralter Instinkt und jede Wölfin füttert so ihre Jungen nach dem Abstillen. Natürlich versuche ich, Princesse von diesem Erbrechen abzuhalten, aber manchmal passiert es eben doch. Das hat die Natur so eingerichtet, weil vorverdautes Futter für die Kleinen besser zu verwerten ist. Liebe neue Welpenbesitzer, ich kann euch beruhigen, das müsst ihr trotzdem nicht machen!

7 – 2 = 5

Für Bella und Ginja war heute ein besonderer Tag, sie durften in ihr neues Zuhause umziehen. Die Besitzer waren aufgeregt und glücklich darüber, ihren Familienzuwachs endlich mitnehmen zu können. Ein kleines  bisschen wehmütig war ich schon, als ich die beiden Mädels für das große Ereignis sauber machte und bürstete. Ausgerechnet heute hatten sich beide in „Schweinehunde“ verwandelt, indem sie sich in Pipi-Seen gelegt hatten. Man könnte fast denken, das war Absicht. . . Also unter den Wasserhahn mit ihnen und dann abgetrocknet und gekämmt. Bei den warmen Temperaturen waren sie ganz schnell  trocken und sahen richtig schön flauschig aus. Ich ließ Bella und Ginja nicht mehr aus den Augen und kam mir vor wie eine Mutter, die ihre Kinder schon für einen besonderen Anlass in festliche Kleidung gesteckt hat und nun streng darauf achtet, dass sie sich nicht schmutzig machen.

Bella wurde als erste abgeholt. Wir machten es kurz und schmerzlos, zum Abschied noch ein Foto und schon war Bella mit ihrer neuen Familie auf dem Weg nach Dortmund.  Auch bei Ginja ging es flott und das war auch gut so – lange Abschiede machen nur traurig. Jedesmal wenn eines der Babys ins Auto gebracht wird, lasse ich Princesse dabei sein. Sie steht dann in der offenen Autotür und schaut und schnuppert bis sie sich schließlich umdreht und geht. Dann weiß ich, es ist alles in Ordnung: sie hat verstanden und akzeptiert, dass ihr Kleines nun fortgeht, und sie wird nicht nach ihm suchen. Auf mich warteten nun noch fünf Welpen, die ihr Futter haben wollten, so dass ich gar keine Zeit für Melancholie hatte.

 

Gewitter – kein Problem

Das Gewitter gestern morgen kam mir gerade recht. Erst war es nur von Ferne zu hören, doch plötzlich ein Blitz und ein lauter Knall. Die Welpen, die zu diesem Zeitpunkt draußen spielten, waren sichtlich erschrocken und rannten so schnell die kurzen Beinchen trugen in einem schwarzen Pulk nach drinnen. Ich redete in normalem Tonfall auf sie ein: „Ach ihr Angsthasen, es ist doch gar nichts passiert!“ Und siehe da, sie liefen wieder nach draußen und linsten um die Hausecke. Als sie merkten, dass noch alles an seinem Platz stand, spielten sie beruhigt weiter. Das weitere Grollen wurde ignoriert.

Auch den Regenschirmtest haben sie bestanden. Ich nehme dafür einen Automatikschirm, der auf Knopfdruck blitzschnell und mit einem Knall aufspringt. Zunächst haben sich die Kleinen ängstlich geduckt aber bei dem zwanzigsten Versuch war das auch kein Thema mehr – im Gegenteil, sie wollten den Schirm unbedingt haben und schnappten danach. Diese und ähnliche Test mache ich bewusst, um die Kleinen mit Alltagssituationen vertraut zu machen. Ich hatte mal einen Neufi, der beim Aufspringen meines Schirms einen panischen Satz nach vorne machte und mir dabei fast den Arm verrenkte. Das fand ich gar nicht lustig.

Die ersten 16 Wochen im Leben eines Hundes sind eine wichtige Zeit und alle Erlebnisse – ob positiv oder negativ – prägen sich tief ein, weshalb sie auch die „Prägezeit“ genannt werden.  Nun heißt das nicht, dass der Welpe in dieser Zeit permanent mit neuen Eindrücken konfrontiert werden soll, das wäre zu viel des Guten und der Welpe würde nervös und rappelig werden. Aber an ein paar wichtige Alltagssituationen sollte er behutsam heran geführt werden. Was das sein soll, muss jeder Welpenbesitzer für seine Situation entscheiden aber die Gewöhnung ans Autofahren und auch ein kurzer Tierarztbesuch ohne dass gleich geimpft wird, sollten schon dabei sein.

Wurfabnahme

Gestern war der Zuchtwart hier und hat den Wurf abgenommen, das heißt er hat sich jeden einzelnen Welpen und die Mutter genau angeschaut und untersucht, mir einige Fragen zu Geburt und Aufzucht gestellt und alles in einem Bericht festgehalten. Das Ergebnis war voll zufriedenstellend – warum wundert mich das nicht? Weil ich weiß, das ich ganz wundervolle Welpen und eine tolle Mutterhündin habe! Aber ich freue mich, daß ich es nun auch schriftlich habe – mit Brief und Siegel sozusagen. Den Bericht bekommt jeder Welpenbesitzer ausgehändigt.

Nun ist es also soweit, dass die Kleinen einer nach dem anderen in ihr neues Zuhause umziehen werden. . . Ich werde den Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge anschauen – lachend, weil ich weiß, dass es allen bei ihren neuen Familien gut gehen wird, und weinend, weil ich sie vermissen werde. Während ich hier schreibe, toben die Kleinen draußen herum und ich unterbreche alle paar Minuten meine Tätigkeit, um nach ihnen zu schauen. Soeben kamen alle fröhlich angeflitzt als sie mich sahen, ich habe mich gebückt, um sie zu streicheln und sie freuten sich wie Bolle. Das wird mir fehlen. Aber andererseits kann ich mich um meinen vernachlässigten Haushalt und Garten kümmern und den überquellenden Schreibtisch abarbeiten, wieder mal etwas länger schlafen oder sogar ein paar Tage Urlaub mit meinem Mann und den drei Großen machen. Das hat doch was!

Alle geimpft

Heute nur eine ganz kurze Information: Die Tierärztin war hier und hat die sieben Zwerge gründlich untersucht und dann geimpft. Außerdem wurde jedem mit einer dickeren Nadel ein Mikrochip eingesetzt, was einige gar nicht gut fanden und mit einem leisen Quieken protestierten. Aber insgesamt waren alle ganz tapfer und brav und wurden von der Tierärztin gelobt. Sie war mit dem Wurf sehr zufrieden!

Das Knabberohr

Es ist halb sechs morgens. Ich stehe draußen im fiesesten Nieselregen und bete meine Beschwörungsformel herunter: “ Macht fein Pipi – fein Pipi machen!“ – bis ich merke, dass ich ganz mutterseelenallein da stehe. Die Welpen haben nach einem kurzen Blick um die Ecke schleunigst wieder kehrt gemacht und verrichten ihre Notdurft jetzt wohl lieber unter schützendem Dach im Trockenen. Verstehen kann ich es ja, auf der Wiese stehen Pfützen und es tropft von den Sträuchern, da würde ich mich auch nicht wohlfühlen. Aber andererseits – es sind Hunde mit viel Fell! Neufundländer! Wasserhunde! Ich starte meinen Lockruf erneut, diesmal  abwechselnd mit Pfeifen. Zwei, drei Kleine kommen neugierig in meine Richtung und überlegen: „Gibt’s da wohl Futter?“ Aber Sekunden später sind sie wieder verschwunden. Ich breche also mein hoffnungsloses Unternehmen ab und begebe mich ebenfalls unter das schützende Dach zumal ich für das Wetter nicht richtig angezogen bin. . . Dort finde ich alles vor, was eigentlich auf die Wiese gehört: große und kleine Hinterlassenschaften. Hier gibt’s genug zu tun für mich und ich bin die nächsten zehn Minuten damit beschäftigt, in allen Ecken zu putzen. Die Kleinen haben sich derweil nach drinnen verzogen und schauen mich erwartungsvoll an. Ihre Blicke erinnern mich daran, dass jetzt Zeit für’s Frühstück ist. Mein Frühstück muss noch warten,  jetzt sind erst Mal die sieben Zwerge dran.

Nach dem begeisterten Schlabbern der Honig-Haferflocken-Milch sitzen die Babys herum wie bestellt und nicht abgeholt. „Was ist los mit euch? Keine Lust zum Spielen heute?“ Ich habe eine Idee: das Knabberohr könnte etwas Leben in die Rasselbande bringen. Gesagt, getan, ich werfe das getrocknete Kaninchenohr mitten in die Meute und sorge damit für helle Aufregung und eine wilde Jagd. Derjenige, der sich den Leckerbissen geschnappt hat und losrennt, um es in Sicherheit zu bringen, wird von den sechs Geschwistern verfolgt. Dabei merkt auch keiner, dass es draußen nass ist! Das begehrte Ding wechselt mehrmals den Besitzer und wird jedes Mal knurrend verteidigt. Schließlich haben sich zwei Rabauken mit der Beute in eine geschützte Ecke zurück gezogen und knabbern begeistert daran herum während jeder, der sich in die Nähe wagt, mit einem tiefen Grollen vertrieben wird. Welche beiden sind das wohl? Ich will es wissen und versuche, die Halsbänder zu erkennen. Als es mir gelingt, bin ich ganz verblüfft: es sind Fräulein Rot und Fräulein Grün, also Fee und Ginja. . .  Vorsichtig schleicht sich Herr Blau – Gerry  – heran und packt blitzschnell zu! Seine Taktik hat Erfolg und er macht sich schleunigst mit dem Ding aus dem Staub, die beiden Mädels fassungslos zurück lassend. Die wilde Jagd geht weiter bis Mama Princesse beschließt einzugreifen. Sie holt sich das leckere Teil und fängt genüßlich an zu kauen. Wer es wagt, sich zu nähern, wird angeknurrt, und siehe da, es herrscht Ruhe!

Großes Abenteuer

Langsam aber stetig wurde den Welpen eine neue Umgebung, spannende Entdeckungsmöglichkeiten und ein größerer Bewegungsradius gegeben: von der Wurfkiste in der Küche ging es zunächst in den neuen Raum (zu Anfang noch mit der Wurfkiste,) dann tagsüber nach draußen in den 4 qm großen Welpenauslauf  und schließlich stand ihnen der eingezäunten Bereich von 100 qm Asphalt, Gras und Erde zur Verfügung. Dann waren sie reif für das letzte große Abenteuer: die 400 qm große Wiese im oberen Gartenbereich. Der Weg dorthin ist schon spannend, denn es geht ziemlich bergauf und rechts und links vom Weg gibt es Sträucher und Wildnis. Aber die Kleinen laufen zielstrebig hinter Mama her bis auf die eingezäunte Wiese. Da gibt es Johannisbeersträucher mit verlockenden roten Beeren, Rhododendronbüsche, unter die man sich verstecken kann, und eine große Rasenfläche mit lustigen Maulwurfshügeln. Die Kleinen können davon gar nicht genug kriegen und genießen die große Freiheit unter den wachsamen Augen von Avril und Princesse und in Begleitung der aufgeregten Elli, die ihnen alles Neue zeigen will. Natürlich bin ich auch dabei und beobachte die kleinen Abenteurer. Ich muss unwillkürlich daran denken, dass ihnen das größte Abenteuer noch bevorsteht: der Umzug zu ihren neuen Besitzern.

Die Welpen sind nun acht Wochen alt und voller Entdeckungsdrang, sie probieren alles aus, haben vor nichts Angst und stecken den Kopf auch schon mal zwischen Zaunlatten. Ginja hing gestern bei diesem Experiment fest und schrie wie am Spieß, als sie es merkte. Meine Hilfe nahm sie dankbar an und hielt ganz still, während ich sie zu befreien versuchte, was gar nicht so einfach war, denn ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt war mein Mann mit den Großen unterwegs und konnte mir nicht helfen. Aber ich habe es geschafft und hoffe, dass sie es nicht nochmal versucht. Wer einen Welpen ins Haus holt, sollte vorher alle gefährlichen Dinge aus dem Weg räumen oder absichern und den Kleinen auch nicht alleine in den Garten lassen, denn so ein Welpe will alles probieren und kommt auf die verrücktesten Ideen.