Princesse: Fressen ist ihre Leidenschaft

Princesse kommt gerade aus der Wurfkiste und stupst mich an. Ich weiß schon, was sie mir sagen will: Eine Belohnung bitte! Sie hat die Leckerchen in meiner Jackentasche gerochen und als ich zögere, stupst sie noch einmal ganz energisch und schaut mich mit diesem gewissen unwiderstehlichen Blick an. Natürlich habe ich ihr etwas gegeben. . . Von allen Neufis, die seit über 30 Jahren mein Leben bereichert haben, ist Princesse die verfressenste. Wenn man ihr einmal in einer bestimmten Situation etwas gegeben hat, versucht sie in dieser Situation jedesmal eine Belohnung zu bekommen. Das geht so weit, dass sie sogar versucht diese Situation selbst herbei zu führen. Für das freiwillige Springen auf den Kämmtisch zum Beispiel ist sie früher immer belohnt worden, worauf hin sie bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit auf den Kämmtisch sprang. Manchmal artet ihr Verhalten schon in Erpressung aus. Wenn ich in den Keller gehe – und das kommt am Tag oft vor, weil wir Getränke und Vorräte sowie Hundefutter dort gelagert haben – dann kommt Princesse herbei geflitzt, setzt sich auf den oberen Treppenabsatz und schaut mir hinterher. Komme ich dann mit vollen Händen herauf, bleibt sie dort in ganzer Breite wie angewachsen sitzen und schaut mich fordernd an, was so viel heißt wie: Ich lasse dich erst hier durch, wenn ich etwas Fressbares bekomme. Ab und zu habe ich dann für sie und die anderen beiden, die sich natürlich immer dazu gesellen, einen Hundekuchen oder wenigstens eine Möhre, aber manchmal eben auch nicht. Dann muss ich mich mit sanfter Gewalt an den Dreien vorbei drängen, wobei Princesse stur sitzen bleibt während Elli und Avril zurückweichen.  Gestern hat sie sogar mitten beim Säugen ihre Kleinen im Stich gelassen, weil sie die Kellertür gehört hat, als ich Zutaten fürs Mittagessen heraufholen musste!

Diese Verfressenheit hat sie leider an einige ihrer Nachkommen weiter vererbt, da müssen die Besitzer aufpassen, dass sie nicht so manipuliert werden wie ich von Princesse. . . Zum Glück hat sie aber nie etwas vom Tisch geklaut, da kann ich unbesorgt alles stehen lassen und weg gehen. Das habe ich aber nicht meiner Erziehungsarbeit sondern Avril zu verdanken, die alles bewacht.

Und hier die Neuigkeiten aus der Wurfkiste: Alle sieben haben wieder gut zugenommen und in ihren immer häufigeren wachen Phasen spielen sie so putzig miteinander, dass ich manchmal alles stehen und liegen lasse und einfach nur den Kleinen zuschaue. Drollig sind auch die Töne, die sie von sich geben. Das ist fast schon ein richtiges Bellen und Knurren. Auf Geräusche aus der Umgebung reagieren sie sehr unterschiedlich. Die üblichen Küchengeräusche wie das Klappern von Töpfen und Tellern stört sie nicht, aber als gestern mein Thermomix nach Ende der Kochzeit diesen durchdringenden Signalton von sich gab, sind alle aufgewacht, hoben erst lauschend die Köpfe und brachen dann in lautes Gezeter aus. Wenn der Staubsauger läuft, schlafen sie hingegen ruhig weiter, das ist für sie ein vertrautes Geräusch.