Spannender als ein Krimi

„Wir haben sechs Welpen! Und alle schwarz!!“ Diese frohe Botschaft teilte ich am frühen Donnerstagvormittag meiner Tochter und dann einer lieben Freundin telefonisch mit, die – wie ich wusste – ganz gespannt mitgefiebert hatten und sich nun mit uns freuten. „Nein, leider ist kein brauner Welpe dabei und es sind nur zwei Rüden, aber alle Babys sind gesund und das ist schließlich die Haupsache“, resümierte ich am Telefon.

„Vorbestellungen“ für Rüden hatte ich vier und noch zwei weitere Familien wollten wenn möglich einen Rüden haben, würden aber  auch eine Hündin nehmen. Nur eine möchte unbedingt eine schwarze Hündin haben – und davon haben wir nun gleich vier. Umgekehrt, nämlich zwei Hündinnen und vier Rüden, wäre es perfekt gewesen, und ein braunes Baby hätte ich auch sehr gerne dabei gehabt. . .  Aber wie ich immer betont habe: „Die Bestellung habe ich aufgegeben aber was die Lieferung betrifft, da habe ich keinen Einfluss drauf!“

Sechs gesunde Welpen – geboren ohne Komplikationen in einer fünfstündigen Nacht- (ohne Nebel) -Aktion, das ist wahrhaftig ein Grund zur Freude! Während ich den dritten Anruf durchführte und  einer Freundin zufrieden und glücklich von dem freudigen Ereignis berichtete, drang ein verzweifelter Welpenschrei an mein Ohr und ich ging zur Wurfkiste, um die Ursache des anhaltenden Geschreies festzustellen. Da hatte sich doch ein kleiner Wicht verirrt, war anstatt an Mamas Zitzen an deren hinterem Ende gelandet und versuchte nun verzweifelt, sich durch das buschige Fell des Schwanzes zu kämpfen. „Du kleiner Trottel, wo suchst du denn die Milch?“, sagte ich liebevoll – wohl wissend, dass er noch nicht hören konnte, „und warum bist du so nass?“ Dann bemerkte ich, dass da etwas nicht stimmte, das Kleine trug nämlich auch kein farbiges Bändchen um den Hals. . . „Das kann doch nicht wahr sein!“ teilte ich meiner Freundin ganz aufgeregt mit, „da ist gerade noch ein Welpe geboren worden!!!“

Ich konnte es nicht fassen, denn Princesse kümmerte sich gar nicht um das Kleine, sie hatte noch nicht einmal bemerkt, dass da soeben noch ein Baby geschlüpft ist! Anscheinend war sie nach dem Geburtsmarathon so geschafft und ruhebürftig oder sie hatte noch – wie ich – die Worte der Tierärztin im Ohr, die beim Blick auf die Röntgenbilder letzte Woche gemeint hatte, dass es fünf – eventuell auch sechs – Welpen seien. Und sechs Welpen lagen ja nun zufrieden nuckelnd an Mamas Zitzen, da konnte doch nicht vier Stunden später (!) plötzlich noch ein siebter auftauchen! Das kann doch nicht wahr sein! Aber es war wahr!! Das war eindeutig noch ein Nachzügler, der sich bei näherer Betrachtung von den anderen sechs deutlich unterschied, weil er nämlich braun war!  Ein braunes Mädchen, das sich lauthals über die mangelnde Aufmerksamkeit beschwerte, Da kämpft man sich mutterseelenallein auf die Welt und wird von niemandem in Empfang genommen! Und an die Milchquelle kommt man auch nicht ran, weil die blöde Nabelschnur einen noch an der Plazenta festhält – da muss man doch schreien! Natürlich bekam es dann jede Menge Zuwendung von mir, wurde abgenabelt und der Mama vor die Nase gelegt, die es ganz gelassen abschleckte. Das kleine Wunderkind hatte indes nur ein Ziel, nämlich Mamas Zitze, und dorthin kämpfte es sich durch. Ich hörte es fast zu den anderen Kumpels sagen: „Platz da! Jetzt bin ich dran mit Trinken!“ Ich muss sagen, ich war schwer beeindruckt von dem kleinen energischen Persönchen. . .

Meine liebe Freundin und Geburtshelferin Kristina und ihr Mann hatten sich nach der anstrengenden Nacht und einem stärkenden Frühstück kurz nach 9 Uhr auf den Heimweg gemacht. Zu dem Zeitpunkt lagen die sechs schwarzen Babys zufrieden nuckelnd bei Mama Princesse in der mit frischen Tüchern ausgelegten Wurfkiste – ein herrlicher Anblick! Wir waren glücklich und zufrieden und fest davon überzeugt, dass die Geburt beendet war. Als ich um viertel nach 10 Uhr Kristina und Uwe am Telefon mitteilte, dass inzwischen noch ein siebter Welpe angekommen ist, fielen die Beiden aus allen Wolken – und stiegen gleich wieder ins Auto, um zurück zu kommen. Da ich nicht sicher war, ob die Plazenta von dem letzten Baby vollständig mit heraus gekommen ist, wollte Kristina Princesse doch lieber noch eine „Reinigungsspritze“ geben. Sie gab dem kleinen Nachzügler dann auch gleich einen Namen: „Ginny“ – nach dem Popsong „Ginny come lately“ von Brian Hyland (1988).

Nun sind die ersten 24 Stunden nach der Geburt vergangen, Mutter und Welpen sind wohlauf und darüber freuen wir uns gemeinsam mit allen Freunden, Bekannten und den zukünftigen Welpenbesitzern.