Kämmen, bürsten, striegeln – aber bitte niemals scheren!

Die Schönheit eines Neufundländers macht zum großen Teil sein üppiges Haarkleid aus. Wenn es gut gepflegt ist und wundervoll glänzt, erntet er bewundernde Blicke und – was noch wichtiger ist – er fühlt sich wohl in seiner Haut. Das Gegenteil ist der Fall bei mangelhafter Pflege, weil ein Fell, bei dem die lose Unterwolle nicht entfernt wird, leicht verfilzt und keine Luft an die Haut kommen lässt. Das kann besonders in der Zeit des Fellwechsels ganz schnell passieren. Da heißt es kämmen, bürsten, striegeln bis nichts – aber auch wirklich nichts mehr – von der Unterwolle heraus kommt. So bearbeite ich seit Ende März das Fell meiner drei Neufi-Damen ganz besonders intensiv und es ist noch kein Ende abzusehen. Inzwischen habe ich einen Tennisarm, aber ich kenne kein Erbarmen – weder mit mir noch mit meinen Fellmonstern, denn was sein muss, muss sein.

Nach einem ausgiebigen Morgenspaziergang ist Fellpflege angesagt. Das ist für mich und die Hunde zur Gewohnheit geworden, und so springen sowohl Princesse als auch Elli immer schon freiwillig auf den Kämmtisch nach dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Dafür gibt es am Ende dann natürlich auch eine ganz besonders leckere Belohnung. Avril lässt sich allerdings davon nicht locken, sie muss schon etwas energischer zum Kämmen überredet werden. Was normal bei jedem Hund in etwa 10 bis 15 Minuten erledigt ist, dauert zurzeit dreimal so lange. Also mindestens eine halbe Stunde  lang wird jeder täglich durchgearbeitet und zwar von hinten nach vorne, denn hinten mögen es meine Damen am wenigsten und wenn sie einmal sitzen, kriegt man sie schwer wieder zum Aufstehen. Mein Superstriegel mit dem Namen „King-Coat“ leistet im langen Fell der Hose gute Arbeit. Wer glaubt, dass es dort keine losen Haare gibt, wird sich wundern, was da jeden Tag aufs Neue wieder herauskommt.  Auch die Seiten und der  Bauch lassen sich beim stehenden Hund besser bearbeiten und wenn er sich schließlich hinsetzt, sind Kopf, Brust und Vorderbeine dran. Da leisten mir mein dreireihiger Striegel und ein grober Kamm gute Dienste. Zum Schluss kommt für die Feinarbeit der geniale „Furminator“ zum Einsatz, der immer noch Unterwolle herauszieht, wo eigentlich keine mehr sein kann. Von meinen Dreien wird das kratzige Gerät anscheinend als angenehm empfunden, besonders wenn ich damit von der Schnauze aus die Brust hinunter fahre. Ja, überhaupt ist das Kämmen und Bürsten eine durchblutungsfördernde Massage, die die meisten Hunde lieben, wenn man nicht zu grob dabei ist. Wahrscheinlich springen meine Beiden deshalb freiwillig auf den Kämmtisch.

Bei der anstrengenden Kämmerei, dem schmerzenden Arm und den herumfliegenden Haaren könnte man auf den Gedanken kommen, beim Hundefrisör einen Radikalschnitt machen zu lassen. Damit würde man außerdem gleich „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, nämlich die anstrengende Fellpflege für die nächsten Monate los zu sein und dem armen Hund bei sommerlichen Temperaturen Linderung zu verschaffen. So nach dem Motto: Ich ziehe mir im Sommer auch keinen dicken Pelzmantel an. Leider falsch gedacht, denn das Fell bietet dem Hund nicht nur Schutz vor Kälte sondern auch vor Hitze! Und die Natur hat es so eingerichtet, dass die besonders wärmende Unterwolle im Frühjahr abgestoßen wird und das verbleibende  Deckhaar als Schutz vor Sonneneinstrahlung und Hitze dient, denn zwischen Haar und Haut kann kühlende Luft zirkulieren! Wirklich ein genialer Trick der Natur, dem wir nur ein bisschen nachhelfen müssen, indem wir – wie bereits erwähnt -die Unterwolle restlos entfernen. Wer sich das nicht zutraut, kann dafür gerne einen guten Hundefrisör aufsuchen; ein guter Hundefrisör hat das richtige Werkzeug dafür und wird niemals zum Scheren raten. Unsere Neufundländer sind ja schließlich keine Pudel.

Meine Welpenkäufer werden von mir – sofern sie noch nie einen Neufundländer hatten – über den Aufwand und die Bedeutung der regelmäßigen Fellpflege aufgeklärt und gleichzeitig dringend davor gewarnt, ihren Hund im Sommer scheren oder sehr kurz schneiden zu lassen. In den letzten Jahren bekam ich ab und zu mal ein Foto von einem „meiner“ Hunde zugeschickt, dem eine solche Sommerschur verpasst worden war – oft mit dem Kommentar, dass der Liebling sich von seinem dicken Pelz befreit viel wohler fühlen würde und munter herumspringe. Ich bin sicher, dass das „Herumspringen“ eher ein Zeichen des Unwohlseins bedeutet, weil der arme Hund sich – plötzlich seines Fells beraubt – sehr seltsam fühlen muss. Auf einmal  spürt er  jeden Windhauch auf der fast nackten Haut. Zudem besteht die akute Gefahr eines Sonnenbrandes, da die äußerst empfindliche Haut nicht mehr durch Haare geschützt wird. „Lassen Sie sich doch mal eine Glatze rasieren und laufen damit in der Sonne herum!“ möchte ich den ahnungslosen Besitzern raten. Dann merkt man nämlich selber, dass Haare einen enormen Schutz darstellen.

Da Hunde nicht wie wir Menschen über die Haut schwitzen, bringt das Scheren nicht den gewünschten Effekt. Vielmehr wird der Hitzeausgleich bei ihnen über Hecheln, Flüssigkeitsaufnahme und Aufenthalt im Schatten erreicht. Dem Neufundländer tut auch ein Bad im See oder in einem Kinderplanschbecken (frisch gefüllt mit kaltem Wasser) sehr gut, dabei reicht es schon, wenn er nur mit den Beinen darin steht oder vielleicht noch den Bauch ins Wasser legt. Ersatzweise kann man ihm auch mit einem sanften Strahl aus dem Wasserschlauch Abkühlung verschaffen. Ich kenne auch Neufis, die sich eine Kuhle unter einem schattigen Busch graben und dort stundenlang auf dem kühlen Erdboden liegen.. Für kastrierte Hunde, deren Unterwolle oft noch viel üppiger ist als normal, kann es dabei eine Hilfe sein, den Bauch zu rasieren – aber bitte nur den Bauch!  Es gibt viele Gründe, die gegen das Scheren sprechen. Ein wichtiges Argument ist, dass die Unterwolle sehr viel schneller als das Deckhaar nachwächst, so dass das Fell stumpf und wie Wollfilz aussieht und Flüssigkeit aufnimmt anstatt sie abzuweisen.

Einen sehr aufschlussreichen Artikel über das Thema findet man unter:  www.hund-unterwegs.de/hunde-blog/sommerschur-mehr-schaden-als-nutzen/