Arme Avril!

Neuneinhalb Jahre ist unsere Avril nun alt und doch fit wie eh und je. Natürlich ist sie nicht mehr so stürmisch wie in ihrer Jugendzeit aber trotzdem noch schnell wie der Blitz, wenn es darum geht Elli zu maßregeln, sobald die sich mal wieder voller Übermut auf ihre Mutter Princesse  stürzt. Dieses Benehmen duldet Avril nicht, da wird sie zur Gouvernante. Sie ist eindeutig die Chefin im Rudel und diese Position nimmt sie auch sehr ernst. Und nun muss ihr so etwas passieren. . . .

Vor ein paar Wochen fiel mir beim Kämmen an Avrils Bauch eine kleine längliche Schwellung auf, nur etwa zwei Zentimeter lang. Ich sprach mit meiner Tierärztin darüber, die mir dazu riet, die Geschwulst zu entfernen und untersuchen zu lassen. Es käme ihr nicht wie etwas Bösartiges vor aber so hätten wir Sicherheit. Wir beschlossen, die Operation nach dem Herbsturlaub durchführen zu lassen. Dann war Avril heiß und so verschob sich die Sache noch weiter. Meine wiederholten Kontrollen zeigten, dass sich die kleine Geschwulst nicht verändert hatte, was mich sehr beruhigte. Bis ich eines Abends beim Kraulen neben ihrem rechten Ohransatz einen Knubbel entdeckte, den ich erst für eine dicke Zecke hielt, der sich aber als ein hässliches Geschwür entpuppte. Nun war es wirklich Zeit für die Operation.

Um es gleich vorweg zu sagen: Es ist alles gut verlaufen und scheint nach den ersten Untersuchungen nichts Bösartiges zu sein, allerdings warten wir noch auf das Ergebnis vom Labor. Das Schlimme an der Situation ist nun aber, dass Avril daran gehindert werden muss, sich zu kratzen. Eine OP-Wunde am Kopf und eine am Bauch, das ist sehr ungünstig. So musste ich mir etwas einfallen lassen: Zunächst kam diese schreckliche „Tüte“ zum Einsatz, die mit Hilfe des Halsbandes befestigt wird und den Kopf abschirmt. Damit wird das Kratzen mit der Hinterpfote am Kopf verhindert. So geschickt wie Avril ist, schafft sie es aber auch, sich am Bauch zu kratzen, so dass Pflaster und Verband nicht reichen, um die Wunde zu schützen. Für dieses Problem hatte ich eine Idee, die sich bewährt hat: Vor einiger Zeit habe ich mal einen Hunde-Bademantel gekauft, der einfach genial ist, da er nicht nur den Rücken bedeckt sondern auch unter dem Bauch entlang geht und mit Klettverschlüssen genau angepasst wird. Das Material ist sehr saugfähig und ein nasser Hund im Nu trocken. Dieser leuchtend blaue Bademantel ist nun Avrils Hausmantel und sieht echt chic aus. Leider sieht Avril das wohl anders. Ihre Würde und Autorität scheint sich mit der Einschränkung durch „Mantel und Hut“ nicht zu vereinbaren. Außerdem ist sie eine sehr reinliche Hündin, die abends gerne Körperpflege betreibt. Mit einer Hingabe, die man so nur von Katzen kennt, leckt sie sich Pfoten und Bauch sauber, Ich habe sogar schon beobachtet, dass sie eine Pfote mit Speichel benetzt und dann damit über die Augen wischt! So etwas hat bisher keiner der anderen Neufis gemacht. Sie kratzt sich auch gerne mal ausgiebig – besonders am Hals – und gibt dabei kuriose Geräusche von sich. Nun kann sie aber ihr abendliches Wellness- und Pflegeprogramm nicht wie gewohnt durchführen und stößt zudem noch ständig mit dieser lästigen Tüte gegen Möbel und Türrahmen. Das alles macht ihr doch sehr zu schaffen. Beim Spaziergang darf sie ohne Tüte und Bademantel  laufen, was sie sichtlich genießt, aber zu Hause wird dann wieder alles angezogen. Oft ist sie sehr unruhig und bellt bis man sie in den Garten hinaus lässt. Dort quetscht sie sich mitten durch die Rhododendronbüsche und versucht dabei, das lästige Ding vom Kopf zu streifen. Arme Avril!  Was sie wohl denken mag? Wenn ich ihr doch nur erklären könnte, dass der Zustand nicht ewig währt. Halte durch Mädchen, in wenigen Tagen ist es überstanden!