Warum ich Ausstellungen (eigentlich) nicht mag

Jedes Mal wenn ich einen meiner Hunde ausgestellt habe und die Beurteilung lese, frage ich mich, warum ich da immer wieder mit mache. Warum glaube ich – allen Erfahrungen zum Trotz – dass der Richter diesmal  sicher erkennen wird, was für einen wunderschönen, charaktervollen und liebenswerten Hund ich ihm vorführe. Gebürstet, geföhnt und gekämmt, hier und da ein klein wenig das Fell gekürzt, sieht er einfach prächtig aus und ich platze fast vor Stolz bei seinem Anblick. Wie das Fell glänzt! Wie seine Schönheit zur Geltung kommt! Und diese stolze Haltung! Ich bin hin und weg. . .

Und dann kommt der Tag der Ausstellung und beim Anblick der vielen ebenso glänzenden und stolzen Konkurrenten, beschleichen mich die ersten Zweifel. Was, wenn der Richter nicht sieht, dass meiner der schönste ist? Oder vielleicht bilde ich es mir ja auch nur ein. . . Hoffentlich klappt das Vorführen gut und besonders das Laufen. Das Laufen ist gaaanz wichtig, das weiß ja jeder. Ich werde zunehmend nervöser und mein Hund spürt das natürlich. Also rede ich mir ein, dass es schon gut gehen wird. Dann taucht plötzlich der Gedanke auf, dass der Richter vielleicht diesen Typ mit der etwas längeren Schnauze nicht mag  oder ihm braune Neufundländer nicht gefallen. Also stehe ich am Ring und beobachte das Richten der Rüden, die vor den Hündinnen dran sind. Wer steht vorne? Ich hab’s ja geahnt, die kurze Schnauze mit den schweren Lefzen. Dass der Besitzer alle Augenblicke ein Tuch aus einer Tasche seines eleganten Anzugs holt und dem Hund damit den Sabber abwischt, wird geflissentlich übersehen. Auf dem zweiten Platz steht ein Rüde, der mir sogar gefallen könnte – mit weniger Lefzen und Sabber. Platz drei und vier sind nicht meine Typen, dafür aber einer oder zwei der nicht platzierten.

Als wir endlich dran sind, habe ich mir eingeredet, dass ich mit meiner Hündin sowieso keine Chancen habe und deshalb ganz cool bleiben kann. Ich flüstere meiner Süßen ins Ohr: „Jetzt lauf schön!“ und los geht’s. Wir laufen ein, zwei Runden zusammen mit den anderen Mensch-Hund-Paaren und ich spüre, wie wir beide ein gemeinsames Tempo finden. Doch dann ist es schon vorbei und jetzt kommen die Einzelbewertungen. Der Richter begutachtet jeden Hund genau,  schaut ihn von vorne, von der Seite und von hinten an, streicht mit etwas Druck über den Rücken, tastet den Kopf ab und schaut schließlich ins Maul, um das Gebiss zu begutachten. Meine Hündin, die bisher ruhig alles über sich ergehen ließ, wird nun etwas störrisch und versucht sich dem Griff ins Maul zu entziehen. Verstehen kann ich’s ja aber leider gehört dieser Teil dazu und so halte ich sie fest bis es vorüber ist. Dann dürfen wir laufen: einmal in gerader Linie vom Richter weg, wieder zurück und anschließend eine große Runde durch den Ring. Ich konzentriere mich dabei ganz auf meine Hündin und versuche, sie durch mein Verhalten zu einem gleichmäßigen flotten Trab zu animieren. Na also, denke ich, das klappt doch gut.

So oder ähnlich läuft es immer ab. Manche Richter lassen Mensch und Hund erst laufen und schauen sich den Vierbeiner danach genauer an aber das ist nicht von Bedeutung. Nachdem alle Hunde der jeweiligen Klasse begutachtet wurden, kommt die Platzierung. Wenn man dann in der engeren Auswahl auf einen der vier Plätze ist, läuft man quasi „um die Wurst“ oder vielmehr um den Pokal. Hierbei gibt es Richter, die lassen einen gefühlte 10 Kilometer laufen bevor sie eine Entscheidung treffen. So war ich manches Mal schon sehr aus der Puste. Früher bin ich mit meiner braunen Hündin Desiree mehrmals im Jahr eine Ausstellung gelaufen und es hat uns beiden meist Spaß gemacht, selbst wenn die Beurteilungen von mir nicht immer als angemessen empfunden wurden. Dann hatte ich Hunde, die sich bei der ganzen Prozedur so unwohl fühlten, dass es keinen Zweck hatte. So habe ich lange Zeit keine Ausstellungen besucht, es sei denn als Zuschauer. Nun habe ich es mit Elli wieder versucht und sie mit 6 Monaten in der Jüngstenklasse und letzten Sonntag mit 18 Monaten in der Zwischenklasse vorgeführt. Ich hatte das Gefühl, es hat gut geklappt mit uns beiden aber als der Richter Elli anschaute und sie ihn anschaute, spürte ich für einen Augenblick, dass die Chemie zwischen den beiden nicht stimmte. Und als ich die Beurteilung las, dachte ich, dass diese Beschreibung  so nicht auf meine Hündin zutrifft. „Etwas langer Körper, kurzer Hals, weicher Rücken, eng in der Bewegung. . .“ Also entweder liegt da eine Verwechslung vor oder Liebe macht blind. Denn für mich ist sie nach wie vor die wunderschönste, liebste , beste, unübertroffene Hündin – mein Champion eben.