Ganz viel Glück im Unglück

Nach acht erholsamen Urlaubstagen auf der Insel Poel machten wir uns  auf den Weg zu unserem nächsten Ziel, nämlich Hameln, wo wir Franca und ihre Familie besuchen wollten. Zähflüssiger Verkehr auf der Autobahn zwischen Hamburg und Hannover sorgte dafür, dass wir später als verabredet dort eintrafen. Die Freude über das Wiedersehen wurde von der Nachricht getrübt, dass Franca seit drei Tagen an einer schmerzhaften Entzündung der Schulter litt. Zwar bekam sie Schmerzmittel und Antibiotika, musste aber streng ruhig gehalten werden und dufte nicht Spazieren gehen oder gar toben. Die kleine Maus verhielt sich aber von alleine ganz brav und ruhig. So gingen wir ohne sie zum Weserufer, denn nach der langen Fahrt brauchten wir und vor allem unsere drei Mädels erstmal etwas Bewegung. Den Abend verbrachten Gerhard und ich im Kreise der lieben Menschen, die nun Francas Rudel sind, während unsere drei Süßen im vertrauten Wohnwagen blieben.

Für mich ist es immer schön, „meine“ Welpen zu besuchen, um zu sehen, wie sie sich eingelebt haben in der neuen Umgebung und bei ihrer neuen Familie. Franca hatte mich gleich wiedererkannt und stürmisch begrüßt, aber  durch ihr Verhalten im Laufe des Abends zeigte sie mir deutlich: „Hier bin ich zu Hause,  das ist mein Rudel.“  Ein großes Rudel hat Franca – bestehend aus zwei Erwachsenen, vier Kindern und zwei weiteren Hunden – und ein fröhliches und liebevolles Zuhause.

Am nächsten Morgen machten wir uns wieder auf den Weg, diesmal war Baunatal bei Kassel unser Ziel, wo am Nachmittag eine wichtige Versammlung des Deutschen Neufundländerklubs stattfinden sollte. Doch bevor wir losfahren konnten, musste der Wohnwagen wieder angekuppelt werden, der direkt neben dem Haus stand und in dem wir die Nacht verbracht hatten. Also Stützen hoch kurbeln, Auto rückwärts ran fahren und Wohnwagen ankuppeln – Routine für Gerhard, der das schon sehr häufig gemacht hat, aber Routine geht manchmal auf Kosten der Sorgfalt. . . Ein letztes Winken zum Abschied und los ging es. Wir waren vielleicht 500 Meter gefahren, noch nicht ganz aus dem Ort hinaus, als es hinter uns ganz seltsam krachte, Ich sagte noch zu meinem Mann: „Halt doch mal an, da stimmt was nicht“,  da tauchte plötzlich unser Wohnwagen neben uns auf, der uns links überholte! Das kann nicht wahr sein, dachte ich, das ist ein Albtraum!  Der Anhänger hatte sich selbstständig gemacht und rollte nun halb auf dem schmalen Bürgersteig, halb auf der linken Straßenseite vor uns her bis er nach einer gefühlten Ewigkeit an Tempo verlor und schließlich stehen blieb. Was für ein Glück, dass gerade kein Fußgänger auf dem Bürgersteig war und kein Fahrzeug uns entgegen kam. Nicht auszudenken, was da alles hätte passieren können!  Mit zitternden Knien stiegen wir aus dem Auto und besahen uns den Schaden, der eigentlich recht gering war: das Stützrad war leicht beschädigt und das Stromkabel sah ziemlich zerfranst aus. Ohne Stromverbindung vom Auto zum Wohnwagen konnten wir aber auf keinen Fall weiter fahren. Wir hatten aber wieder Glück im Unglück, denn der freundliche „gelbe Engel“ vom ADAC flickte mit unglaublicher Geduld die vielen kleine Drähte wieder zusammen und fixierte alles mit meterweise Klebeband. Zwei Stunden dauerte die Reparatur und unser freundlicher Helfer war ganz erstaunt, als er am Ende unsere drei Hunde im Auto entdeckte, die sich die ganze Zeit über absolut ruhig verhalten hatten. Sie hatten wohl gemerkt, dass es für uns eine angespannte Situation war.