Alles Pudel oder was?

Franca 12 Wochen

Die Rasse Neufundländer ist im allgemeinen nicht sehr bekannt und man erregt mit so einem imposanten Hund in der Öffentlichkeit häufig Aufsehen. Viele Menschen schauen einem hinterher oder bleiben sogar stehen. Der Neufundländer ist zum Glück nie ein „Modehund“ geworden und wird es wohl auch nie werden, da  Haltung und Pflege doch als sehr aufwendig eingeschätzt werden. Da wird man mit Mutmaßungen konfrontiert wie „Der frisst Ihnen bestimmt die Haare vom Kopf“ (Sehe ich so aus?) oder „Da braucht man aber ein großes Haus“ (Wir haben nur ein kleines!) oder auch „Damit müssen Sie bestimmt viel Spazieren gehen“ (Wenn die wüssten, wie genügsam ein Neufi ist. . .).  Früher habe ich versucht, die Leute über die Rasse und ihre Bedürfnisse aufzuklären aber irgendwie hören die meisten doch nicht richtig zu und bleiben lieber bei ihren albernen Kommentaren. Daher lasse ich sie meistens einfach spekulieren, es sei denn, sie rätseln darüber, welcher Rasse dieser Vierbeiner wohl angehört: Bernhardiner? Berner Sennenhund? Leonberger? Dann kläre ich doch lieber darüber auf, dass es sich um einen Neufundländer handelt.  Irgendwie stört es mich, wenn die Rasse verkannt wird.

Aber die lustigste Definition gab die Nachbarin von Francas Familie ab, wie mir Yvonne heute in einer Mail schrieb: Vor gut einer Woche sah mich meine Nachbarin mit Franca im Garten. Sie meinte: „Ach Frau W., was haben Sie denn da für eine Mischung?“ Ich antwortete: „Das ist keine Mischung.“ Die Nachbarin darauf: „Ach dachte ich es mir doch, . . . das ist ein Pudel!“

Da frage ich Sie bzw. euch: Sieht so ein Pudel aus? Siehe obiges Foto von der 12 Wochen alten Franca.

Der Alltag hat uns wieder

Mehr als zwei Wochen ist es her, dass Franca – unser letztes Baby – abgeholt wurde. Sie ist nun bei ihrer neuen Familie in Hameln und hat sich dort gut eingelebt.  Ebenso wie die anderen sechs, die schon eine Woche früher abgeholt worden sind und nun in Bielefeld, Gelsenkirchen, Langenfeld und in der Nähe von Leipzig zu Hause sind. Finn ist in Remscheid geblieben, nur 20 Autominuten von uns entfernt, so dass ich ihn und seinen großen Bruder Don öfter sehen kann. Don ist ein 15 Monate alter und schon sehr imposanter schwarzer Rüde – und ebenfalls ein Sohn von Princesse und Teddybär. Außer den Beiden sehe ich auch Fine hin und wieder, zusammen mit Carasha ( eine sechsjährige Hündin – Tochter von Avril ), die sich inzwischen gut verstehen. Es fasziniert mich immer wieder, zu erleben wie schnell die Welpen sich im neuen Zuhause einleben und ohne Scheu Haus und Umgebung entdecken oder besser gesagt „erobern“.

Wenn der letzte Welpe abgeholt wird und ich die kleinen Näpfe, die Babywaage und das Spielzeug einsammle, säubere und auf dem Speicher verstaue, bin ich immer ein bisschen wehmütig. Doch dieses Mal hatte ich glücklicherweise keine Zeit für Wehmut, denn am Tag als Franca abgeholt wurde, hat unsere Tochter geheiratet. Die mütterliche Aufregung und das schöne Fest haben mich aufs Beste abgelenkt. Danach sind unsere älteren Kinder, die weit weg im Ausland wohnen und daher selten zu uns kommen können, noch für ein paar Tage hier geblieben, was wir alle sehr genossen haben.

Doch nun hat uns der Alltag wieder und der hat durchaus seine schönen Seiten. Meine drei Mädels Avril, Princesse und Elli bekommen nun wieder ihre ausgiebigen Spaziergänge, ihre abendlichen Streicheleinheiten und die nötige Fellpflege. Princesse hat nach der Aufzucht ihrer sieben Babys viel von ihrem prächtigen schwarzen Fell verloren und besonders ihr Schwanz sieht so dünn aus. Aber das wird wieder. . . Der Garten, der in den zwei Monaten zur Wildnis geworden ist, braucht ebenfalls meine Aufmerksamkeit und Pflege und auch im Haus ist so manches liegen geblieben. Jetzt, wo die Welpen weg sind, habe ich auch mal wieder Zeit, ein gutes Buch zu lesen. Ja, und die vier Kilo, die ich in den neun Wochen zugenommen habe, muss ich endlich bekämpfen. Zu tun gibt es also genug.  Aber letztens habe ich mich doch dabei ertappt, wie ich im Internet auf den Neufundländerseiten nach Deckrüden geschaut habe, die vielleicht für den nächsten Wurf in die engere Auswahl kämen. . . .

So still und leer

Ich spüre eine leichte Berührung am Hosenbein und schaue hinunter wo die kleine Braune versucht, an mir hoch zu klettern. Sie schaut zu mir auf und als sich unsere Blicke treffen, fiept sie ganz leise. Ich nehme sie auf den Schoß und das kleine Fellbündel kuschelt sich an mich. „Na, du vermisst deine Geschwister wohl sehr“, sage ich leise und schaue mich um. Im Geiste sehe ich die ganze Rasselbande vor mir, wie sie hier hinter dem Haus immer herum tobte, sich um ein Spielzeug zankte und beim Fressen so friedlich gemeinsam an der großen Schüssel stand. Das Schüsselchen, aus dem Franca ihr Futter bekommt, ist noch halb voll, sie hat kaum etwas gefressen. Ohne die Geschwister schmeckt es ihr wohl nicht.

Am Freitag, den 1. August, als die Kleinen gerade 9 Wochen alt waren, wurden die ersten beiden abgeholt: Fine schon morgens um 9 Uhr und Findus gegen Mittag. Natürlich wurden sie von mir erst mal schön gemacht, was ihnen gar nicht gefiel. Sonst hatte ich sie immer erst gebürstet, wenn sie nach dem Toben müde wurden, doch das ging diesmal nicht anders, sie mussten still halten, während die anderen weiter herum tobten. Irgendwie spürte die ganze Bande, dass an diesem Tag alles anders war und sie kamen nicht zur Ruhe. Fines neue Familie wurde von den Welpen ebenso wie von den drei Großen  stürmisch begrüßt. Schließlich waren sie für die Hunde keine Fremden mehr. Fine kam als erste – mit Fred im Schlepptau, der sich heute wie ein Bodygard benahm und Fine nicht aus den Augen ließ. Auch nicht als es ernst wurde und das braune Mädchen auf den Armen ihres neuen Frauchens zum Auto gebracht wurde. Fred wollte hinterher und beklagte sich lauthals, als das Tor vor seiner Nase geschlossen wurde: Seine liebste Spielgefährtin war fort! Findus war ganz cool als seine Familie ihn abholte, es gefiel ihm nur nicht, dass er so ein komisches Ding umgelegt bekam, das die Menschen  „Geschirr“ nannten. So was Blödes! Als auch er fort war, spielten und tobten die fünf verbliebenen Welpen im Laufe des Tages wie bisher und doch lag eine etwas melancholische Stimmung in der Luft.

Am Samstag kamen die ersten Besucher schon vor 9 Uhr um ihre Florentine abzuholen. Sie hatten eine lange Fahrt aus der Nähe von Leipzig hinter sich und dieselbe lange Strecke natürlich noch einmal vor sich, Dagegen hatte es Finn, der am Vormittag abgeholt wurde,  richtig gut, denn er ist zu einer Familie in Remscheid gekommen und musste es nur zwanzig Minuten lang im Auto aushalten. Finn und Florentine waren für das Welpenrudel zwei sehr wichtige Persönlichkeiten, sehr mutig und selbstbewusst teilten sie sich die Position eines Leithundes und ergänzten sich dabei vorzüglich. Ohne die beiden war das Rudel kein richtiges Rudel mehr sondern ein kleines verlorenes Häufchen von drei übrig gebliebenen Welpen. Sie spielten zwar aber es fehlten Tatendrang und Führung.

Am Sonntag in der Frühe kamen Fenjas Leute, die ebenfalls eine lange Fahrt hinter sich hatten und nicht weit von Florentines Familie leben. Fenja war mit Frauchen schon im Auto als mir einfiel, dass ich noch ein Abschiedsfoto machen wollte. Ganz still und äußerlich ruhig saß die kleine Schwarze da, doch ich wusste, dass ihr Herzchen jetzt ganz aufgeregt klopft – mein kleines Sensibelchen. Als nächster verließ Fred uns, der kleine Eremit, der sich oft in seine Ecke zurück zog, wenn die anderen zu wild tobten. Sein Versteck hinter der Bademuschel wird nun leer bleiben.

Jedes Mal wenn ein Welpe zum Auto gebracht wurde, begleitete Princesse ihn und steckte zum Abschied kurz den Kopf ins Auto um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist. Dann drehte sie sich um und ging wieder zurück. Nun wusste sie Bescheid und brauchte ihr Baby nicht zu suchen.

Ja, kleine Franca, nun bist du alleine unter den drei Großen. Ausgerechnet du, die doch so gerne Trubel um sich hat und am liebsten immer dabei sein will, wenn irgendwo etwas los ist. Zum Glück spielt Elli gerne mit dir und Avril lässt es zu, dass du dich an sie kuschelst. Deine Mama Princesse leckt dir ab und zu durchs Gesicht als wolle sie dich trösten. Doch nur noch wenige Tage bis zum nächsten Wochenende, dann kommt deine Familie, um dich abzuholen. Dann ist es bei uns erst richtig still und leer.