Avrils strenge Hundeschule

Der Zeitpunkt ist bald gekommen, an dem die Welpen ihr erstes Heim verlassen und in ein neues Zuhause mit noch fremden Menschen ziehen werden.  Tatsächlich sind es nur noch drei Tage bis zum Abschied von den ersten beiden. Bei dem Gedanken daran werde ich ein wenig melancholisch und nachdenklich. Ich frage mich, ob die Kleinen gut genug vorbereitet sind auf ihr neues Leben, ob ich wirklich alles dafür getan habe, dass sie mit der fremden Umgebung und den neuen Menschen klar kommen. Bei fast allen Familien gibt es bereits einen älteren Hund, mit dem sie erst mal zurecht kommen müssen, um dann hoffentlich bald Freundschaft zu schließen. Was diesen Punkt betrifft, so sind sie sicher gut vorbereitet, denn sie sind in Avrils strenge Hundeschule gegangen.

Avril ist eindeutig die Chefin unseres Rudels und von ihrem Wohlwollen sind Princesse und Elli abhängig. Sie entscheidet, wer wann an ihr vorbei gehen darf, wenn sie im Türbereich liegt, und sie bewacht alles, was im und ums Haus herum ist. Nur durch Blicke signalisiert sie den Beiden was Sache ist. Gegenüber uns Zweibeinern kehrt sie die Chefin – zum Glück – nicht heraus sondern zeigt Respekt und steht z.B. sofort auf, wenn wir durch die Tür gehen wollen. Es kommt mir so vor als ob sie es als ihre Aufgabe betrachtet, für uns alles zu bewachen und sich um alles zu kümmern. Deshalb bellt sie allerdings auch häufiger als es Neufundländer normalerweise tun. Sie muss halt melden, wenn ihr etwas verdächtig vorkommt. Sie hat auch die Welpen von Anfang an mit Argosaugen beobachtet und sich einmal sogar zu den Winzlingen in die Wurfkiste gelegt als Princesse kurz draußen war. Bei ihrer Rückkehr wurde sie von Avril angeknurrt als wollte sie ihr sagen, dass es nicht in Ordnung war, die Babys alleine zu lassen.

Sobald die Rasselbande groß genug ist und draußen herum läuft beginnt für Avril die Erziehung der Kleinen. Das ist eigentlich eine ganz kurze aber sehr effektive Maßnahme, die folgendermaßen vonstatten geht: Avril geht mit einem Leckerbissen – letztens war es ein Zwieback – im Maul hinaus zu den Welpen, legt sich ganz gelassen hin, den Zwieback vor sich auf den Boden – und wartet ab. Natürlich sind die kleinen Racker nun neugierig und nähern sich dem Objekt – allerdings sehr vorsichtig, denn Avril strahlt schon eine gewisse Autorität aus. Sobald ein Mutiger zu nah an den Zwieback heran kommt, wird er ganz energisch angeblafft und zieht sich erschrocken zurück. Trotzdem versucht es ein anderer, dem der Duft des Leckerbissens in der Nase kitzelt, doch auch er bekommt eine laute Abfuhr. Ein ganz mutiges Mädchen versucht es dann von hinten, macht einen Bogen um Avril und schleicht sich an. Doch bis zum Zwieback kommt sie nicht, der strenge Verweis von Avril flößt Respekt ein. Sie hat deutlich gezeigt, dass dieser Leckerbissen für die Welpen tabu ist, denn er gehört ihr. Mit dieser einen Übung hat sie sich bei den Welpen so viel Respekt verschafft, dass sie von da an der Chefin bei jeder Begegnung unterwürfig das Maul lecken, was sie sich gnädig gefallen lässt.