Der Kampf um die Zitzen

Das Leben ist kein Wunschkonzert und die Wurfkiste ist kein Ort in dem Milch und Honig fließen! Das mussten die Winzlinge schon sehr früh lernen: Um die Milch muss man kämpfen und Honig gibt’s schon gar nicht. Der Kampf um die Zitzen beginnt in dem Moment, wenn Princesse die Wurfkiste betritt. Obwohl die Kleinen noch nicht sehen können, spüren sie sofort wenn Mama da ist und dann gibt es ein aufgeregtes Fiepen und ein hektisches Gewusel bis alle ihre bevorzugte Zitze gefunden haben. Plötzlich tritt schlagartig Ruhe ein. Manchmal lässt Princesse sich viel Zeit bis sie sich hinlegt und ihr Gesäuge zur Verfügung stellt. Sie geht eine Runde durch die Kiste, schnuppert jede Ecke ab, sammelt dabei die kleinen Häufchen auf und… geht erst mal wieder raus! Dann wird das Fiepen zu einem empörten Geschrei, denn das merken die Kleinen sofort. Princesse lässt sich davon nicht beeindrucken, geht schließlich aber doch wieder zu den Babys hinein und legt sich endlich nieder – oder geht noch mal raus und das Spiel beginnt von vorne.  Wenn die fürsorgliche Mutter sich an ihre Pflichten erinnert und sich leise seufzend ausstreckt, beginnt der zweite Teil im harten Kampf um die Zitzen. Eigentlich wäre das nicht nötig, weil es acht intakte Zitzen gibt, aber jeder hat so seine Lieblingszitze und manchmal haben mehrere Babys dieselbe. Besonders die vier hinteren Saugstationen sind sehr beliebt, weil dort die Milch fast von alleine fließt. Wer hier als erster andockt, muss mit heftigen Attacken von den Kumpeln rechnen. Das Manöver zur Eroberung der besetzten Zitze wird sehr geschickt durchgeführt: man schiebt sich unter den Körper des saugenden Kollegen und hebelt ihn quasi von unten aus. Der ahnungslos Trinkende weiß gar nicht wie ihm geschieht und kullert hilflos durch die Gegend bis er sich aufrappelt und seinerseits den Kampf aufnimmt. Mama kümmert sich nicht darum, auch nicht, wenn lautes Protestgeschrei erklingt, sondern schnarcht leise vor sich hin. Kluges Mädchen!

Wir Menschen meinen ja, wir müssten eingreifen, wenn es in der Kiste so ungerecht zugeht. Naja, schließlich gibt es da ein oder zwei Babys, die deutlich kleiner sind und im Gewicht um 200 Gramm zurückliegen gegenüber den großen im Wurf. Denen muss man doch helfen. Logisch, oder? Also ich bin für mehr Gerechtigkeit am Gesäuge! Mein kleiner, zarter Junge mit dem blauen Halsband kommt doch sonst viel zu schlecht weg. Und auch das Mädchen mit dem orange-farbigen Bändchen lässt sich zu viel von den anderen gefallen. Ich sorge also dafür, dass diese beiden die besten Zitzen ganz hinten bekommen aber sie wollen diese gar nicht oder lassen kurze Zeit später wieder los! Ach ihr kleinen eigensinnigen Neufundländer! Ehrlich gesagt, ich hab’s aufgegeben. Sollen sie doch sehen, wie sie an die Milch kommen. Aber irgendwie schaffen die das ganz alleine und nuckeln eifrig an „ihren“ Zitzen – nämlich an den vorderen!